Blütenlese

Die nachstehenden Nietzsche-Fundstücke entspringen verschiedenen Veröffentlichungen. Sie gewähren einen Einblick in die popkulturelle Rezeption des Dichterphilosophen: zum Stöbern und Schmunzeln!

 

 

Bildquelle: Brüning, Barbara [et al.]: Der Philosophie-Kalender 2022. Unterhaching: Athesia, Harenberg 2021, Kalenderblatt vom 14. September 2022.

 

"Man liest, egal ob in Nietzsches Zarathustra oder in Rousseaus Träumereien eines einsamen Spaziergängers, immer ganz ähnliche hochtrabende, fast zwangseuphorisch anmutende Passagen, die dem Leser die eigene zutiefst bedauerliche Lage als eine Art heroischer Triumphzug mit maximaler Befreiung, ja, innerer Erquickung und Erholung erscheinen lässt. Nur ganz selten scheint es, als sei die Umdeutung auch lebenspraktisch gelungen [...]."

Hecht, Martin: Die Einsamkeit des modernen Menschen. Wie das radikale Ich unsere Demokratie bedroht. Bonn: Dietz 2021, S. 157.

 

"28. August 1941, Donnerstag

[...] Mir schwirrt ein wenig der Kopf von Zygus Ausführungen über Nietzsche und [V]erne und ihre Ideologien und darüber, dass er für junge, 'zunächst kinderlose' Ehen ist. Weißt Du, meine Haltung zu diesen 'ernsthaften' Dingen ist sehr dumm und kindisch."

Spiegel, Renia: Tagebuch 1939-1942. Frankfurt a. M.: Schöffling & Co. 2021, S. 223.

 

"DER WANDERER. Und könnte ich dir nicht in aller Geschwindigkeit noch etwas zu Liebe tun? Hast du keinen Wunsch?

DER SCHATTEN. Keinen, außer etwa den Wunsch, welchen der philosophische 'Hund' vor dem großen Alexander hatte: gehe mir ein wenig aus der Sonne, es ist mir zu kalt."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Benkel, Winfried: Lapislazuli Die entdeckten Jahre. Ein philosophischer Roman. Norderstedt: BoD – Books on Demand 2020, S. [7].

 

"Bald galt das 'Magny' im künstlerischen und intellektuellen Milieu als letzter Ort freien Geistes und freier Rede im Zweiten Kaiserreich, ein Ruf, der später sogar das Interesse Friedrich Nietzsches wecken sollte. Er hätte, schrieb er, 'nicht übel' in diese 'damalige geistreichste und skeptischste Bande des Pariser Geistes' hineingepasst, in dem 'exasperierter Pessimismus, Cynismus, Nihilismus gepflegt wurden. Allerdings hätte er dieser Bande gern noch mehr Radikalität verordnet."

Hülk, Walburga: Der Rausch der Jahre. Als Paris die Moderne erfand. Hamburg: Hoffmann und Campe 2020, S. 251.

 

"Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch − ein Seil über einem Abgrunde."

Nietzsche, Friedrich: "Motto", zit. in: Krüger, Eva: Nietzsches falsche Erben. Kriminalroman. Norderstedt: BoD − Books on Demand 2020, Vorblatt.

 

"Ohne genaues Denken kein genaues Formulieren; da beißt die Maus keinen Faden ab. Den Stil verbessern, das heiße den Gedanken verbessern, wußte schon Friedrich Nietzsche."

Maar, Michael: Die Schlange im Wolfspelz. Das Geheimnis großer Literatur. Hamburg: Rowohlt 2020, S. 25.

 

"Nur wenige prominente Denker, etwa Friedrich Nietzsche und Thomas Carlyle, propagierten weiterhin − oder erneut − aristokratische Lebensideale, freilich losgelöst von einer konkreten sozialen Basis und eher an Aristokratien des Geistes und der Leistung als der Geburt denkend."

Osterhammel, Jürgen: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. München: Beck 2020, S. 1070.

 

 

 

Bildquelle: Vaziritabar, Farzane: We free spirits. Weimar: ECCE Nietzsche Cartoons 2020.

 

"Das Schicksal von Lieben und Leiden, Wachstum und Verfall konkretisierte Klimt in Werken, deren Formen von der Entgegensetzung zwischen Dionysischem und Apollinischem zeugen, mit der Friedrich Nietzsche in der Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik (1872) zum Nachdenken über Bildwerdung und Lebensstrom, Einkleidung und Enthüllung, Ethos und Ekstase angeregt hatte."

Zimmermann, Michael F.: Die Kunst des 19. Jahrhunderts. Realismus Impressionismus  Symbolismus. München: Beck 2020, S. 87.

 

 

Bildquelle: Kalender 2021. Augsburg: Weltbild-Verlag 2020, einzelnes Blatt.

 

"Bechers Lebenswerk, das − um an einen seiner Nietzsche-Aufsätze anzuknüpfen wie ein erratischer Block oder eine grandiose Seltsamkeit in der Zeit steht, bewahrt, durchaus unzeitgemäß, einen großen Teil der bitteren Erfahrungen seines Jahrhunderts vor dem Vergessen und kann sie zur Verfügung stellen, wo irgend wieder ein Bedarf entstehen könnte, Erinnerung produktiv zu machen."

Ziemann, Rüdiger: Mitten im Gewitter. Zum Werk Johannes R. Bechers. Dobis: [s.n.] 2020, S. [8]. 

 

"Rothko ist der bekannteste Vertreter der von der Philosophie Nietzsches, der griechischen Mythologie und dem russisch-jüdischen Erbe beeinflussten Farbfeldmalerei − wenngleich er selbst diese Klassifizierung ablehnte. Seine Gemälde, bei denen Farbe, Gleichgewicht, Tiefe und Größenordnung im Mittelpunkt stehen, sollten im Unterbewusstsein die Gefühle des Betrachters wecken."

Hodge, Susie: Eine kurze Geschichte der modernen Kunst. Ein Überblick über die wichtigsten Kunstrichtungen, Werke, Themen und Techniken. Berlin: King 2019, S. 126.

 

"Aber auf die Knie geht Alexandra vor niemandem, wie es das Protokoll eigentlich verlangt. Nur den Kopf hat sie vor ihm [dem Dalai Lama] geneigt [...]. Eine wie sie, Leserin Stirners und Nietzsches, die ihren ganzen Hohn über die kniefälligen Geister ausgeschüttet hatten, sollte sich demütigst niedergeworfen haben? Dass wir nicht lachen!"

Lütkehaus, Ludger: Mein Weg durch Himmel und Höllen. Das abenteuerliche Leben der Alexandra David-Néel (1868-1969). Marburg: Basilisken-Presse 2019, S. 18.

 

"Aus der Sicht der Avantgarde an der Wende zum 20. Jahrhundert hatte das 19. Jahrhundert nichts Eigenständiges hervorgebracht, sondern lediglich totes Wissen angesammelt. Friedrich Nietzsche (1844-1900) übte bereits 1873 in seiner Schrift Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben beißende Kritik: 'Unsere moderne Bildung ist [...] nichts Lebendiges [...], sie ist gar keine Bildung, sondern nur Wissen um die Bildung [...]. Aus uns haben wir Modernen gar nichts; nur dadurch, dass wir uns mit fremden Zeiten, Sitten, Künsten, Philosophie, Religionen, Erkenntnissen anfüllen und überfüllen, werden wir zu etwas Beachtenswertem, nämlich zu wandelnden Enzyklpädien.' Das ironische Urteil des Philosophen beklagte einen Mangel an Vitalität bei gleichzeitigem Überschuss an Nachahmung und Gelehrsamkeit."

Paulmann, Johannes: Globale Vorherrschaft und Fortschrittsglaube. Europa 1850-1914. München: Beck 2019, S. [201].

 

 

Bildquelle: Westfalen-Blatt, 03.10.2019, [S. 2].

 

"In einer berühmten Abhandlung Zur Genealogie der Moral hat er [Nietzsche] sich die Frage gestellt, wie es kommt, daß Menschen ein 'Gedächtnis des Willens' ausbilden, das nicht nur passiv einen 'einmal eingeritzten Eindruck' festhält, sondern sich auch aktiv verbindlich an einen bestimmten Gedächtnisinhalt hält. Dieses Gedächtnis des Willens nennt er Gewissen und sieht in ihm den Grund, in dem die Kulturen Moral und Verantwortlichkeit verankern. Folglich sind in dieses Gedächtnis nach Nietzsche keine biographischen Erfahrungen eingeschrieben, vielmehr ist es mit einer kulturellen Schrift überzogen, die direkt und unauslöschbar in die Körper eingeschrieben ist. Mit dieser Wendung löst Nietzsche die Gedächtnistheorie aus der Geschichte der Innerlichkeit und individuellen Bezüge, um sie erstmals mit Institutionen von Macht und Gewalt zusammenzuschließen."

Assmann, Aleida: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München: Beck 2018, S. 245.

 

"Es sind eher Figuren wie Weininger, die Einfluss auf die Künstler hatten, und natürlich Schopenhauer und Nietzsche. Hier liegt die große moderne Triade begründet, Sex, Blut und Tod, mit einer letztendlich ziemlich pesssimistischen Sicht der Dinge."

Clair, Jean: Kurze Geschichte der modernen Kunst. Ein Gespräch mit Thierry Naudin. Bern, Wien: Piet Meyer Verlag 2018, S. 18.

 

"Die Anpassungsfähigsten, die Fittesten, erfahren ihre historische Bevorzugung bei Nietzsche allein unter der Voraussetzung, dass sie die Welt als ein Aufstiegsgeschäft betreiben. Ihnen obliegt die Aufgabe, die biologische Prozedur durch das erhabene Ziel menschlicher Selbstaufwertung zu veredeln. Dies ist die Perspektive, in der der Übermensch in den Blick des Zukünftigen gerät."

Demuth, Volker: Der nächste Mensch. Berlin: Matthes & Seitz 2018, S. 72-73.

 

"Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Dicks, Eva (Hg.): Mitten in der Weihnachtsnacht. Geschichten und Gedichte. Kevelaer: Butzon & Bercker 2018, S. [43].

 

"Eine dieser CD-ROMs enthält eine Digitale Bibliothek der Philosophie. Das ist nicht übertrieben. Auf einer einzigen Scheibe befinden sich zwei philosophische Lexika, eine ausführliche Philosophiegeschichte und dazu 45000 Seiten mit den ungekürzten Meisterwerken der Philosophie von Platon bis Nietzsche. Die Scheibe befindet sich seit 2001 in der philosophischen Abteilung meiner Bibliothek, zwischen Werken von Nietzsche und Platon. Ich habe sie nie benutzt, kein einziges Mal."

Preisendörfer, Bruno: Die Verwandlung der Dinge. Eine Zeitreise von 1950 bis morgen. Berlin: Galiani 2018, S. 170.

 

"Selbstverständlich hat diese im Wesentlichen aus Intensitäten bestehende neue Welt mehrere Wendungen erlebt, wie sie den philosophischen Systemen entsprechen. Nietzsche, Whitehead oder Deleuze haben jeweils eine eigene Sichtweise eines nicht mehr ausgedehnten Universums vorgeschlagen, das sich aus verknüpfbaren Teilen zusammensetzt, aber rein intensiv ist und dessen scheinbar stabile Teile nur die Illusionen der beschränkten Wahrnehmung sind, die wir von ihm haben."

Garcia, Tristan: Das intensive Leben. Eine moderne Obsession. Berlin: Suhrkamp 2017, S. 81.

 

"Das, was ich über Bizet sage, dürfen Sie nicht ernst nehmen; so wie ich bin, kommt Bizet tausendmal für mich nicht in Betracht. Aber als ironische Antithese gegen Wagner wirkt er sehr stark; es wäre ja eine Geschmacklosigkeit ohnegleichen gewesen, wenn ich etwa von einem Lobe Beethovens hätte ausgehen wollen..."

Kaiser, Joachim: Vieles ist auf Erden zu thun. Imaginäre Gespräche mit Ingeborg Bachmann, Ludwig van Beethoven, Franz Kafka, Johann Nestroy, Friedrich Nietzsche, Clara Schumann, Kurt Tucholsky u. a. München: Piper ebooks 2017, S. 71.

 

"Begnügen wir uns hier mit der Feststellung, Nietzsches Beobachtungen seien weiterhin gut nachvollziehbar; seine Sorgen jedoch sind nicht mehr die der Gegenwart. Während der Verfasser von Also sprach Zarathustra sich an dem Problem abarbeitete, wie man den unterdrückten Glanz der Wildnis vor dem totalen Sieg der kastrierenden Zivilisation schützen könne, stellt sich für uns eher die Frage, wie es gelingt, der Wiederkehr der Verwilderung auf der Höhe der Zivilisation Einhalt zu gebieten."

Sloterdijk, Peter: Was geschah im 20. Jahrhundert? Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2017, S. 46.

 

"Friedrich Nietzsche betonte, dass das Auge die Menschen trenne, während der Ton sie vereinige. Im Unterschied zur Bildsprache und zu Texten wird die Musik als eine die Grenzen überwindende Sprache gehört. Grenzen werden der Musik dann aufoktroyiert, wenn sie funktionalisiert wird, weil jede Indienstnahme die Gefahr der Verfälschung des musikalischen Gehalts birgt. Dabei geht es nicht nur um Propaganda, sondern um [...] Lesarten, die meistens nicht vom Komponisten, sondern von Interpreten, Kritikern oder Hörern dem Werk unterstellt werden. Ein Stück an sich ist nicht explizit tiefgängig, ausgesprochen farbig oder besonders deutsch, es wird von seinen Hörern so empfunden."

Wißmann, Friederike: Deutsche Musik. München, Berlin, Zürich: Piper 2017, S. 448.

 

"Wie bereits erwähnt, glaubt jede Epoche aufs Neue, besonders modern zu sein; vor allem bei Jackson Pollock wurde das deutlich. Trotzdem erhält nicht Pollock hier das letzte Wort, sondern Friedrich Nietzsche (1844-1900):

Wenn die Kunst sich in den abgetragendsten Stoffen kleidet, erkennt man sie am besten als Kunst."

Arnold, Dana: Eine kleine Gechichte der Kunst. München, London, New York: Prestel 2016, S. 69.

 

"Ein Typ in meinem Alter. Hat sich erhängt. War Putzhilfe in einer Bar, hatte so gut wie kein Leben, keine Freunde. Depressiv, Einzelgänger. Nur etwa sechs Bücher im Regal. Nietzsche, Gedichte von Remco Campert − nicht gerade heitere Lektüre."

Bolt, Britta: Das Büro der einsamen Toten. Roman. München: Heyne 2016, S. 51.

 

"Gegen die bürgerlich-liberalen Kernüberzeugungen von Fortschritt, aufgeklärter Rationalität und exakter Wissenschaft setzten die Kritiker auf Emotionalität, auf Empathie, auf Subjektivität, auf Natürlichkeit, auf ganzheitliche Lösungen, auf umfassende Welterklärung und damit letztlich auf eine neue säkuläre Form von Religion. Als ihr prominentester Herold wie auch als unerbittlicher Zeit- und Kulturkritiker fand vor allem Friedrich Nietzsche mit seiner Beschwörung des schöpferischen großen Individuums und des Lebens als eines ästhetischen Phänomens in vielen Intellektuellen- und Künstlerzirkeln glühende Verehrung."

Hein, Dieter: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. München: Beck 2016, S. 121.

 

"En Allemagne aussi, le tournant du XXe siècle voit le développement de réflexions critiques et désenchantées à l'égard du capitalisme industriel et de ses technologies. À partir des années 1870, alors que le pays engage une industrialisation accélérée, la défiance envers le capitalisme, le libéralisme et l'industrialisme s'accroît au sein des courants intellectuels réunis sous l'étiquette de 'pessimisme culturel' (Kulturpessimismus). [...] Nietzsche stigmatisait la 'machine [qui] humilie' parce qu'elle 'est impersonnelle [et] enlève au travail sa fierté'."

Jarrige, François: Technocritiques. Du refus des machines à la contestation des technosciences. Paris: La Découverte 2016, S. 169.

 

"[Z]wei schwedische Philosophen bezeugen, dass der Reiz der Bücher Lindgrens darin bestehe, Tabus zu brechen. Und dass Pippi eine Art Kreuzung zwischen Sokrates, Nietzsche und Simone de Beauvoir sei. Das mag ja alles stimmen, aber natürlich ist sie in erster Linie [...] das ideale 'Mädchen von nebenan'. Eine außergewöhnliche schwedische Göre, die dem Leser das Gefühl gibt, jung zu sein und es am besten zu bleiben."

Steinz, Pieter: Typisch Europa. Ein Kulturverführer in 100 Stationen. München: Knaus 2016, S. 286.

 

"Friedrich Nietzsche sprach vom Nihilismus der abendländischen Kultur und der Moderne insbesondere. Diese geistige Leerstelle der Rationalitätskultur ist aber immer auch das Einfallstor für alle möglichen Irrationalismen. Deutschland, mit seiner hohen Technikentwicklung, war und ist daher immer auch ein besonderer Ort der Anziehung gerade dieser."

Vietta, Silvio: Die Weltgesellschaft. Wie die abendländische Rationalität die Welt erobert und verändert hat. Baden-Baden: Nomos 2016, S. 15.

 

"Nach unserem Gespräch setzte ich mich auf die Terrasse unserer Wohnng und blätterte in dem Buch von José Carreras. Ich entdeckte einen Satz von Friedrich Nietzsche, den ich mir anstrich: Man müsse die 'Phantasie des Kranken beruhigen, dass er wenigstens nicht, wie bisher, mehr von seinen Gedanken über die Krankheit zu leiden hat, als von der Krankheit selbst...'"

Westerwelle, Guido; Wichmann, Dominik: Zwischen zwei Leben. Von Liebe, Tod und Zuversicht. Hamburg: Hoffmann und Campe 2016, S. 159.

 

"Nach unserer Hochzeit hat meine Frau keine Reise mehr gemacht, so Reger, nurmehr noch diese Geistesreisen, die ich mit ihr unternommen habe, wir sind in den Schopenhauer gereist und in den Nietzsche und in den Descartes und in den Montaigne und in den Pascal und zwar immer für Jahre, so Reger."

Bernhard, Thomas: Alte Meister. Komödie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2015, S. 260.

 

"Das Ergebnis [...] waren drei Heiratsanträge. Den ersten machte Paul Rée, indem er bei Frau von Salomé um die Hand ihrer Tochter anhielt. Den zweiten machte wiederum Rée, aber im Namen von Nietzsche, der in Unkenntnis des Vorgefallenen den Freund bat, seinen Wunsch beim Fräulein von Salomé vorzutragen. Und den dritten machte der Philosoph der weigen Wiederkehr höchst selbst, indem er wenig später seinen Heiratsantrag Lou gegenüber persönlich wiederholte. Diese lehnte alle drei Anträge freundlich und mit Feingefühl, aber entschieden ab."

Bollmann, Stefan: Frauen und Bücher. Eine Leidenschaft mit Folgen. München: btb 2015, S. 264.

 

"Wenn es nach Schopenhauers Schlusswort trotzdem noch weitergehen soll, dann muss ein entlaufener Schopenhauer-Jünger wie der vitalistische Mystiker Friedrich Nietzsche, noch mehr als sein ehemaliger Meister leidenschaftlicher Musikliebhaber, schon die ganze Verführungskraft seiner Sprachmusik aufbringen, um in seinen Gesängen 'aus hohen Bergen' die dionysische Stille des 'großen Mittags' wieder zu beschwören. Denn Nietzsche hat vollends jenes 'ewige Schweigen der unendlichen Räume' nach dem Tod Gottes gehört, das für die Moderne seit Pascal zur anderen, zur abgründigen Seite einer Stille geworden ist, die das Leben zu verschlingen droht."

Lütkehaus, Ludger: Stille − Schweigen − Musik. Marburg an der Lahn, Rangsdorf: Basilisken-Presse 2015, S. 28.

 

"'Die deutsche Seele', schrieb einst Friedrich Nietzsche, 'hat Gänge und Zwischengänge in sich, es gibt in ihr Höhlen, Verstecke, Burgverliese; ihre Unordnung hat viel vom Reize des Geheimnisvollen; der Deutsche versteht sich auf die Schleichwege zum Chaos.' Und doch hat es über die Jahrhunderte nicht an Versuchen gefehlt, in die Tiefe der deutschen Seele hineinzuleuchten − von Menschen, die von außen auf das Land blickten, aber auch von Deutschen selbst, die in ihren Höhlen, Schreibzimmern und Elfenbeintürmen über ihre eigene Nation Rechenschaft ablegen wollten."

Asserate, Asfa-Wossen: Deutsche Tugenden. Von Anmut bis Weltschmerz. München: Beck 2014, S. 7.

 

"Chi ama il mare, sarà sempre libero, 'Wer das Meer liebt, wird immer frei sein': Dieses Graffito habe ich 2010 an der Mole einer apulischen Hafenstadt gesehen. Ob der Sprayer wohl Baudelaire, Heine, Nietzsche oder Neruda gelesen hatte?"

Richter, Dieter: Das Meer. Geschichte der ältesten Landschaft. Berlin: Wagenbach 2014, S. 10.

 

"Die Vorstellung von Raskolnikow ist Vorläuferin der Idee des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche von einem zur Herrschaft berufenen 'Übermenschen', der sich selbst Gesetz ist, da es kein absolutes göttliches Gesetz gibt. Nietzsche bezeichnet die Begegnung mit Dostojewskis Werken als 'den Glücksfall meines Lebens' und hält den russischen Dichter für den 'einzigen Psychologen, anbei gesagt, von dem ich etwas zu lernen hatte'."

Buck, Rainer: Fjodor M. Dostojewski. Sträfling, Spielger, Seelenforscher [E-Book]. Moers: Brendow 2013, S. 92-93.

 

"Ein intellektueller Artist, Schamane und Verführer, Friedrich Nietzsche, führt die abendländische Moralkritik zu ihrem philosophischen Höhepunkt. Manche üben Moralkritik im Bonsai-Format, bei Nietzsche geschieht es in Übergröße, zugleich radikal, fundamental und mit großem Pathos. Seine 'Umwertung aller Werte' bedeutet nicht etwa Abwertung; sie stellt vielmehr die Werte auf eine neue Wertgrundlage."

Höffe, Otfried: Ethik. Eine Einführung. München: Beck 2013, S. 76.

 

"Die Überwindung von Todesgefahr wurde zum Kern der bergsteigerischen Erfahrung stilisiert. Sich der Todesgefahr zu stellen, avancierte schließlich auch zum zentralen Kriterium, um zwischen 'Extremen' und 'Nichtextremen', zwischen Bergsteigern und Bergwanderern zu unterscheiden [...]. Seit Lammer 1889 mit Nietzsche gerüstet davon sprach, dass 'die alpine Tat' von einem 'unauslöschbaren Durst nach Todesgefahr' motiviert sei [...], sind die Stimmen, die Bergsteigen und Todesgefahr in essentieller Verbindung sehen, nicht mehr verstummt."

Kaufmann, Stefan: "'Friends?' − Ambivalente Beziehungen von Bergsteigern zu ihren Objekten", in: Thielmann, Tristan; Schüttpelz, Erhard; Gendolla, Peter (Hg.): Akteur-Medien-Theorie. Bielefeld: transcript 2013, S. 483-510, hier S. 491-492.

 

"Der Pop-Aufruhr im Zeichen der Sicherheitsnadel war ein Selbstermächtigungsprogramm jener, die im öffentlichen Diskurs sonst keine Stimme hatten. Ein style war, der alle bis dahin geltenden Regeln der Etikette außer Kraft setzte und an deren Stelle die absolute Negation [trat]. Eine 'Umwertung aller Werte', wie sie sich Nietzsche wahrscheinlich nicht vorgestellt hat. Obwohl seine Formulierung 'Nichts ist wahr, alles ist erlaubt' aus Zur Genealogie der Moral einen Akkord anschlägt, der auch in einem Punk-Song gut rocken würde."

Mießgang, Thomas: Die Kultur der Unhöflichkeit [E-Book]. Berlin: Rogner & Bernhard 2013, S. 134.

 

"Dies ist der Herbst.

Die Sonne schleicht zum Berg

Und steigt hinauf

und ruht bei jedem Schritte.

Auf müd gespannten Fäden spielt

Der Wind sein Lied."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Stolzenberger, Günter (Hg.): Das Herbst-Lesebuch. Müchen: dtv 2012, S. [147].

 

"Auffällig ist, daß Nietzsches neue, eigene Position nicht ohne Wagner als Widerpart auskam. So hellsichtig seine Kritik an Wagner oft war, immer war sie doch auch gepaart mit Häme. Das Ausspielen von Bizets Carmen gegen Wagner in Der Fall Wagner (1888) erscheint als der verzweifelte Versuch, sich von der Faszination durch Wagner zu lösen."

Voss, Egon: Richard Wagner. München: Beck 2012, S. 111.

 

"Ausgelassene Fröhlichkeit gehört nicht gerade zu den charakteristischen Eigenschaften der Christenheit. Schon der Philosoph Friedrich Nietzsche hatte das kritisch angemerkt. Die Christen wirkten doch alle zu ernst, als dass man ihnen die Botschaft von der Erlösung durch Jesus Christus auch abnehmen könnte, meinte er."

Gauger, Thomas (Hg.): Licht und Kraft. Losungskalender. Andachten über Losung und Lehrtext. Möckmühl: Aue-Verl.; Lahr: Kaufmann 2011, S. 199.

 

"Nietzsche célèbre le corps en marche, le corps emporté par le mouvement, la danse, la musique, la puissance dionysiaque: 'Le corps est une grande raison, une multitude animée, un état de paix et de guerre, un troupeau et son berger. Cette petite raison que tu appelles ton esprit, ô mon frère, n'est qu'un instrument de ton corps, et un bien petit instrument, un jouet de ta grande raison' (Zarathustra, 93). Mais la mortification du corps est chez Nietzsche aussi bien une maladie de la pensée dont un des effets est de maintenir la pensée elle-même dans la perversion. La pensée libre et joyeuse est nécessairement la pensée d'un corps libéré."

Marzano, Michela: La philosophie du corps. Paris: Presses Universitaires de France 2011, S. 44-45.

 

 

Bildquelle: Onfray, Michel; Le Roy, Maximilien: Nietzsche. München: Knaus 2011, S. 105.

 

"There is clearly a heavy overlap between Weber and Nietzsche. Each had a common core of things to say about the terrors built into the modern world, and each amplified what the other was saying. Weber was, if anything, marginally less pessimistic than his near contemporary. His way of writing implied that the modern world could at least be renounced, whereas Nietzsche, by and large, thought there was nothing to be done."

Watson, Peter: The Geman Genius. Europe's Third Renaissance, the Second Scientific Revolution, and the Twentieth Century. London [u.a.]: Simon & Schuster 2011, S. 826.

 

"Ein Mann hat − und die tut weh! − Gicht.

Mit Nietzsche er 'Weh vergeh' spricht.

'Lust tiefer als Leid!'

Das klingt sehr gescheit

Doch kümmert's den großen Zeh nicht!"

Roth, Eugen: Mir geht's schon besser, Herr Professer! Heilsame Verse. München: dtv 2010, S. 21.


"Die Entsagung ist dem Asketen sinnstiftend. In der Entsagung verwirklicht sich, wie Friedrich Nietzsche einst sagte, sein Wille zum Nichts. Der Asekt bekämpft das Ungesunde, das Dickbäuchige, das Spielerische, die Lust, den gerechten Zorn."

Soboczynski, Adam: Glänzende Zeiten: Fast ein Roman. Berlin: Aufbau Digital 2010, S. 41.

 

"Bei den Tanzfestspielen im Sommer 1936 hatte Goebbels den modernen Tänzern wieder einmal zugesehen und sich danach in seinem Tagebuch abschätzig geäußert: "frei nach Nietzsche, eine schlechte, gemachte und gekünstelte Sache. Ich inhibiere vieles. Das ist alles so intellektuell. Ich mag das nicht. geht in unserem Gewande daher und hat gar nichts mit uns zu tuen.' Diese paar Worte sollten das Ende des modernen Tanzes als Staatskunst im 'Dritten Reich' markieren."

Beyer, Susanne: Palucca. Die Biografie. Berlin: AvivA 2009, S. 177.

 

"Friedrich Nietzsche a dit: 'Il faut encore porter en soi un chaos pour pouvoir mettre au monde une étoile dansante.' Les êtres humains n'auraient jamais pu devenir librement créatifs, courageux ou aimants, s'ils n'avaient pu commettre des erreurs, voir les choses autrement qu'elles ne le sont, ou croire qu'elles sond différentes de ce qu'elles sont."

Black, Jonathan: L'histoire secrète du monde. [S.l.]: Éditions Florent Massot 2009, S. 98.

 

 

Bildquelle: Gane, Laurence; Piero: Introducing Nietzsche. A graphic novel. London: Icon Books 2009, S. 3.

 

"In seiner Eigenschaft als Akteur und Medium einer anders begriffenen Antike wird Nietzsche zum Entdecker der asketischen Kulturen in ihrer unermeßlichen historischen Ausgedehntheit. [...] Im Gefolge seiner neuen Scheidung der asketischen Geister stößt Nietzsche nicht nur auf die fundamentale Bedeutung des übenden Lebens für die Ausbildung von Daseinsstilen oder 'Kulturen'. Er legt den Finger auf die ihm zufolge für alle Moralen entscheidende Verzweigung der Übungslebensformen in die Askesen der Gesunden und die der Kranken, wobei er keine Bedenken zeigt, die Antithese mit einer nahezug karikaturalen Schärfe zu präsentieren."

Sloterdijk, Peter: Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2009, S. 58-59.

 

"'Dieser janze Übermenschenquatsch', sagte Lotte laut in Eugens Gedanken hinein, 'is doch nur dazu da, dass ick meinem Nachbarn eins über die Rübe hauen und mich dabei noch als Held fühlen kann.'

'Seh ich genauso', bekräftigt Fritz auf dem Weg zur Garderobe. 'Auch wenn Gott tot ist, kann ich doch meine Mitmenschen am Leben lassen.'

'Jawoll, und mich selbst dazu', meint Lotte und setzt ihren Hut verwegen schräg auf den Kopf. 'Dieses Zeug macht einen ja regelrecht suizidal. Wenn das die Awanjard is, geh ick lieber ins Tingeltangel.'

Volks, Sybil: Café Größenwahn. Kappes zweiter Fall. Kriminalroman. Berlin: Jaron 2009, S. 118-119.

 

"Freude am Wissenserwerb hatten wir Doofe nämlich noch nie. Schule hat uns nur in den Pausen Spaß gemacht, Nietzsche und Hölderlin waren uns scheißegal, und beim Gedanken an lebenslanges Lernen würden wir lieber gleich in Rente gehen."

Bonner, Stefan; Weiss, Anne: Generation Doof. Wie blöd sind wir eigentlich? Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 2008, S. 53.

 

"'Sie benehmen sich wie eineiige Zwillinge, die man bei der Geburt getrennt hat, und die sich gerade erst wiedergefunden haben. Ständig quatschen sie über alles mögliche − Nietzsche, Tiger Woods, Bier, die Wahrscheinlichkeit gleicher Geburtsdaten, die gute alte Zeit vor dem College. Ich komme mir vor wie das fünfte Rade am Wagen."

Cabot, Meg: Aber bitte mit Schokolade! Roman. [Rheda-Wiedenbrück, Gütersloh]: RM-Buch- und Medien-Vertrieb 2008, S. 204.

 

"For Nietzsche or Oscar Wilde, we could all (had we but the daring) be supreme artists of ourselves, clay in our own hands, waiting to fashion ourselves into some exquisitely unique shape. The conventional wisdom on this matter, I take it, is that the meaning of life is not prefabricated but constructed; and that each of us can do this in very different ways."

Eagleton, Terry: The meaning of life. A very short introduction. Oxford [u.a.]: University Press 2008, S. 32.

 

"Nietzsche verkündete den Tod Gottes und rief verzweifelt: 'Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an?'"

Hänsel-Hohenhausen, Markus von: Ich denke, also glaube ich. Von Metaphysik und Glaubenswissen als Fundament und Gunst von Naturwissenschaft und westlicher Gesellschaft ; Essay = Cogito ergo credo. Frankfurt a. M. [u.a.]: Frankfurter Verl.-Gruppe 2008, S. 79.

 

"Nietzsche ist kein Technikphilosoph gewesen, und über ihn lässt sich von Latour aus allenfalls noch sagen, dass er ein weiteres Beispiel der abendländischen 'Verzweiflung und Selbstbestrafung' liefert, sich mit dem 'eigenen Schicksal Angst einzujagen' und pathetisch 'den Tod Gottes oder des Menschen zu zelebrieren' (Latour 1995 [...]). Den Einwänden kann nicht widersprochen werden − dennoch wäre es unklug, Nietzsches Gegenwartsdiagnose vorschnell aus der Hand zu legen, weil sie eine Frage an Latours Gegenwartsdiagnose stellt [...]: Worin bestehen Nutzen und Nachteil dieser Theorie für die Historie?"

Hahn, Marcus: "'Marvelous Examples'. Zum Status des historischen Wissens in der Akteur-Netzwerk-Theorie Bruno Latours", in: Kneer, Georg; Schroer, Markus; Schüttpelz, Erhard (Hg.): Bruno Latours Kollektive. Kontroversen zur Entgrenzung des Sozialen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2008, S. 457-474, hier S. 459.

 

"Was hätte ich tun sollen? Rufen: 'Ich habe zwei Bücher von Nietzsche gelesen und sogar etliches darin unterstrichen?' Ich murmelte stattdessen etwas wie: 'Wenn ich mal 'ne eigene Disco hab, dann lass ich Sie auch nicht rein", und schlich blamiert davon."

Kürthy, Ildikó von: Schwerelos. Roman. Reinbek bei Hamburg: Wunderlich 2008, S. 42.

 

"Wie Nietzsche bereits vor langer Zeit bemerkt hat, leiden die Modernen an der Geschichte. Sie wollen alles behalten, alles datieren, denn sie glauben, endgültig mit der Vergangenheit gebrochen zu haben. Je mehr Revolutionen sie akkumulieren, desto mehr bewahren sie; je mehr Kapital sie bilden, desto mehr stecken sie ins Museum. Die manische Zerstörung wird mit einer dazu symmetrischen, genauso manischen Konservierung bezahlt. Die Vergangenheit wird von den Historikern Detail für Detail und umso sorgfältiger rekonstruiert, als sie auf immer entschwunden ist. Aber sind wir von unserer Vergangenheit so weit entfernt, wie wir es glauben möchten?"

Latour, Bruno: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2008, S. 92-93.

 

"In seinem Werk Ecce homo schreibt Friedrich Nietzsche, 'amor fati' sei seine Formel für die Größe eines Menschen. Darunter verstand er, dass jeder das Schicksal, das er nun einmal habe, annehmen müsse und dass es nicht ausreiche, das Notwendige bloß zu ertragen, sondern es sogar zu lieben. Alles andere sei Verlogenheit. Diese Aussage steht allerdings diametral im Gegensatz zu vielen anderen Stellen in Nietzsches Werk, in denen er seine Leser auffordert, sich nicht länger in demütige Sklavenmoral zu ergeben, sondern zum Übermenschen zu werden. Auch persönlich scheint er mit seinem Schicksal als ewig kränklicher, im Grunde einsamer und oft angefeindeter Autor gehadert zu haben."

Pöppelmann, Christa: Nomen est omen. Die bekanntesten lateinischen Zitate & Redewendungen und was dahinter steckt. München: Compact 2008, S. 17.

 

"Zu den ersten westlichen Philosophen, die sich der Tragweite indischen Denkens bewusst wurden, zählt Friedrich Nietzsche. An Paul Deussen, einen der Väter unserer heutigen Indologie, schrieb er am 16. März 1883 aus Genua in einem persönlichen Brief: 'Da musste viel in einem Menschen zusammenkommen, um eine solche Vedanta-Lehre uns Europäern offenbaren zu können; und ich preise dich, alter Freund, dass du nicht verlernt hast, tüchtig zu arbeiten.'"

Scholz, Werner: Hinduismus. Ein Schnellkurs. Köln: DuMont 2008, S. 79.

 

"15. Oktober 1844

Friedrich Nietzsche, in Röcken bei Lütz[!], Philosoph"

Dirks, Liane (Hg.): Das Buch vom goldenen Oktober. München: Sanssouci 2007, S. 57.

 

"Steiner macht Bekanntschaft mit den Lehren Darwins und ist fasziniert vom Leben und Werk Goethes. [...] Er wirkt im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, lernt den bereits erkrankten Nietzsche kennen und setzt sich mit den Arbeiten von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung auseinander. Er promoviert zum Doktor der Philosophie, veröffentlicht seine Gedanken zu 'Welt- und Lebensanschauungen' und begibt sich auf Vortragsreisen durch Europa."

Fiebag, Peter; Gruber, Elmar; Holbe, Rainer: Mystica. Die großen Rätsel der Menschheit. Augsburg: Weltbild 2007, S. 873.

 

"Der Titel von [Burrhus Frederic] Skinners Schrift Jenseits von Freiheit und Würde (Beyond Freedom and Dignity, 1971/1973) lehnt sich an den Titel von Nietzsches Buch Jenseits von Gut und Böse aus dem Jahre 1886 an."

Galliker, Mark; Klein, Margot; Rykart, Sibylle: Meilensteine der Psychologie. Die Geschichte der Psychologie nach Personen, Werk und Wirkung. Stuttgart: Kröner 2007, S. 408.

 

"Im 19. Jahrhundert trennten sich in der Philosophie diejenigen, die stärker über den Menschen und die Gesellschaft nachdachten, wie Nietzsche und Heidegger, von denen, die sich stärker für die philosophischen Probleme der Mathematik und Naturwissenschaft interessierten, wie Carnap und Wittgenstein. Immanuel Kant ist ihr letzter gemeinsamer Denker, auf den sich Philosophen beider Richtungen berufen."

Herles, Wolgang (Hg.): Bücher, die Geschichte machten. München: cbj 2007, S. 192-193.

 

"Insgesamt gilt: Die europäische Kulturgeschichte ist wesentlich durch diese krititsche Begleitstimme insbesondere der Literatur geprägt. In der Neuzeit folgt zudem eine ganze Kette auch philosophischer Denker dieser kritischen Linie der Kultur: Rousseau, weite Teile der Romantik, Nietzsche −, im 20. Jahrhundert die Metaphysikkritik Heideggers, Foucaults, Derridas und, auf andere Weise, die 'kritische Theorie' Max Horkheimers und Theodor W. Adornos. Sie alle gehören in die Tradition einer Kritik der europäischen Kultur im Rahmen der europäischen Kultur."

Vietta, Silvio: Europäische Kulturgeschichte. Eine Einführung. Paderborn: Fink 2007, S. 448.

 

"Was Intelligentes!! Ihr sollt was Intelligentes machen! Ihr habt doch alle studiert! Ihr habt's doch gehört! Hirnforschung! Deutscher Kaiser! Buddhismus und Friedrich Nietzsche im Direktvergleich! Was weiß ich!!"

Weingartner, Hans: Free Rainer. Dein Fernseher lügt. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007, S. 161.

 

"Jede Lust will Ewigkeit, tiefe, tiefe Ewigkeit, heißt es sinngemäß bei Nietzsche.

Warum hat dieser Satz für mich stets die Geschichte von Fanny Hensel, geborene Mendelssohn, evoziert?"

Grimaud, Hélène: Wolfssonate. München: blanvalet 2006, S. 196.

 

"'In hoc signo vinces.' − So vorgeschritten Europa auch sonst sein mag: in religiösen Dingen hat es noch nicht die freisinnige Naivität der alten Brahmanen erreicht, zum Zeichen, daß in Indien vor vier Jahrtausenden mehr gedacht wurde und mehr Lust am Denken vererbt zu werden pflegte, als jetzt unter uns."

Kade-Luthra, Veena (Hg.): Sehnsucht nach Indien. Literarische Annäherungen von Goethe bis Günter Grass. München: Beck 2006, S. 113.

 

"Die Schweizer Aristokratin Meta von Salis-Marschlins (1855-1929) trat im Gegensatz zu den liberalen Politikern ihrer Zeit nicht für die Demokratisierung der Welt ein, sondern für deren Aristokratisierung im Sinne Nietzsches. In ihrer Schrift Die Zukunft der Frau (1886) entwarf sie die Utopie eines 'Frauenmenschenthums'. Männer und Frauen werden in einer Seelengemeinschaft zusammenleben und Frauen von den Zwängen ihrer Existenz als 'Haushaltsmaschine' befreit sein."

Käppeli, Anne-Marie: "Die feministische Szene", in: Fraisse, Geneviève; Perrot, Michelle (Hg.): Geschichte der Frauen. 19. Jahrhundert. Frankurt a. M.: Zweitausendeins 2006, S. 539-573, hier S. 570.

 

"Der Futurismus kämpft unter dem Einfluß der Philosophien von Friedrich Nietzsche und Henri Bergson gegen jegliche Tradition, verlangt die Zerstörung alter Kulturdenkmäler (und heißt konsequent den Krieg als Befreiung vom Alten gut, ebenso wie wenig später den Faschismus). Zukunftsorientiert werden Technik und Fortschritt gefeiert, die auch in die Kunst Eingang halten sollen [...]."

Lehnert, Gertrud: Europäische Literatur. Köln: DuMont 2006, S. 159.

 

"Wahrscheinlich ist auch Nietzsche damals mit runtergezogener Hose auf den Gedanken gekommen: Gott ist tot − weil er gemerkt hat, da hilft auch kein Beten."

Nuhr, Dieter: Gibt es intelligentes Leben? Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2006, S. 179.

 

"Unnötig zu betonen, daß Nietzsches Einsichten nach dem Debakel des alten Europa nur noch antiquarischen Wert besitzen; unnötig erst recht hinzuzufügen, daß mit der Übertragung des Aktionsreichs in die USA das 'Weltgeschichte'-Spiel für uns in der Sache vorüber ist − [...]."

Sloterdijk, Peter: Im Weltinnenraum des Kapitals. Für eine philosophische Theorie der Globalisierung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2006, S. 123.

 

"Durch die genaue Artikulation jedes Details unterlief Karajan die Breitwandwirkungen des traditionellen Wagner-Spiels. Dieses Wagner-Orchester überfährt den Hörer (und den Sänger) nicht mit mal einschüchternden, mal aufputschenden Klangmassen, sondern es deckt die kleinen Regungen und Unterschiede dieser riesigen Partituren auf, es offenbart Wagner als den 'grössten Miniaturisten der Musik', als den Nietzsche den Komponisten schon im 'Fall Wagner' proklamierte."

Uehling, Peter: Karajan. Eine Biographie. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2006, S. 241.

 

"The most common example is dividing the states into Dionysian (nonrational) and Apollonian (rational), and then identifying Dionysian with spiritual. But that conceals and hides the fact that there is not just 'non-rational', but 'pre-rational' and 'trans-rational'. Even Nietzsche came to see that there are two drastically different Dionysian states (pre and trans). But once the pre/trans fallacy is made, it appears that anything that is not rational, is Spirit. Instead of pre-rational, rational, and trans-rational, you only have rational and nonrational, and the trouble starts there."

Wilber, Ken: Integral spirituality. A startling new role for religion in the modern and postmodern world. Boston, London: Integral Books 2006, S. 52.


"Die Welt ist nur zu heilen, wenn der Einzelne die Heilung in sich beginnt, indem er sich, er weiß nicht woher, geschenkt wird. Doch er drängt zu einer Welt, die ihn in sich aufnimmt. [...] Jeder kann zum Mitschöpfer werden. [...] Das aber kann er nur als Mensch mit den Menschen, mit Schicksalsgefährten. [...] Die Wahrheit, sagt Nietzsche, beginnt zu Zweien."

Jaspers, Karl, zit. in: Balling, Adalbert Ludwig: Von der Heil-Kraft des Gebetes. Heilen durch beten, beten und heilen, beten hilft heilen. Würzburg: Mariannhill 2005, S. 16.

 

"Wahrheiten seien, so knüpften Michel Foucault (1926-1984) und Gilles Deleuze (1925-1996) an Friedrich Nietzsche (1844-1900) an, immer konstruiert, und nach Holocaust, Atombomben und Overkill-Gefahr im Kalten Krieg könne der Glaube an den Segen aufklärerischer Vernunft nicht länger aufrecht erhalten werden."

Ernst, Thomas: Popliteratur. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt 2005, S. 26.

 

"In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unternahm ein Mann den Versuch, alle Werte umzuwerten, sie auf den Kopf zu stellen. Friedrich Nietzsche wird daher besonders oft missverstanden und am häufigsten fehlinterpretiert. 'Was ist das Siegel der erreichten Freiheit?', fragte er in den Aphorismen, die unter dem Titel 'Der Wille zur Macht' zusammengefasst worden sind; er antwortete: 'Sich nicht mehr vor sich selber schämen.' Und das hieß: gewissenlos sein."

Fischer-Fabian, S[iegfried]: Die Macht des Gewissens. Von Sokrates bis Sophie Scholl. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 2005, S. 11-12.

 

"Damit ein Abschnitt der menschlichen Geschichte in einem haltbaren Bilde fortlebe: dazu scheint immer nur ein einziger Mensch nötig zu sein, aber dieser eine ist unerläßlich. So würde zum Beispiel für die griechische Aufklärung Sokrates, für die französische Aufklärung Voltaire, für die deutsche Aufklärung Lessing, für die englische Renaissance Shakespeare, für unsere Zeit Nietzsche sehr genügen. In solchen Männern objektiviert sich das ganze Zeitalter wie in einem verdeutlichenden Querschnitt, der jedermann zugänglich ist."

Friedell, Egon: Kulturgeschichte der Neuzeit. Die Krisis der europäischen Seele von der scharzen Pest bis zum Ersten Weltkrieg. München: dtv 2005, Bd. 1, S. 29-30.

 

"Lieber aus ganzem Holz eine Feindschaft als eine geleimte Freundschaft."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Blech-Straub, Daniela (Bearb.): Das überzeugende Zitat. [Die 1000 bedeutendsten Zitate zu den wichtigsten Themen des Alltags]. Mannheim [u.a.]: Dudenverlag 2004, S. 59.

 

"Auf Reisen Kenntnisse 'fürs Leben' zu erwerben, was hieße das? Nietzsche gab Anregungen. Er stellte sich vor, wie jemand, deprimiert vom Zustand der deutschen Kultur und den bereits unternommenen Versuchen, ihm abzuhelfen, in eine italienische Stadt reist, nach Siena oder nach Florenz, und dort feststellt, dass das allgemein als 'italienische Renaissance' bekannte Phänomen das Werk einiger weniger Italiener war, denen es mit Glück und Beharrlichkeit und den richtigen Förderern gelungen war, die Gemütslage und die Werte einer ganzen Gesellschaft zu verändern."

De Botton, Alain: Kunst des Reisens. Frankfurt a. M.: Fischer 2003, S. 125.

 

"Worüber wir sprachen, war Nebensache. Wir kamen vom Wetter auf Kant, von dessen gestirntem Himmel ich gerade etwas aufgeschnappt hatte, von Kant auf Kleist, von Kleist auf Nietzsche, von Nietzsche auf Krähen, von Krähen über Schwarz nach Afrika."

Hahn, Ulla: Das verborgene Wort. Roman. München: dtv 2003, S. 430-431.

 

"Rhythmus signalisiert [...][,] dass Kommunikation kommuniziert.

Rhythmus ist aber auch, wie es bei Nietzsche heißt, 'ein Zwang; er erzeugt eine unüberwindliche Lust, nachzugeben, mit einzustimmen; nicht nur der Schritt der Füße, auch die Seele geht dem Takte nach − wahrscheinlich, so schloss man, auch die Seele der Götter!' Darüber, welche Seele und welche Götter dies beim Tennis sind, gibt eine archäologische Koinzidenz Auskunft."

Pias, Klaus: "Mit Computern spielen. Ping/Pong als Urszene des Computerspiels", in: Poser, Stefan; Zachmann, Karin (Hg.): Homo faber ludens. Geschichten zu Wechselbeziehungen von Technik und Spiel. Frankfurt a. M. [u.a.]: Lang 2003, S. 255-279, hier S. 266-267.

 

"[G]egen Ende des 19. Jahrhunderts hat Nietzsche den Körper gleichsam als eine Wachstafel gedacht, in die sich die Geschichte einschreibt: Der Körper sei der Ort der wahren Ursprünge von moralischen Werten und dem Willen, zu wissen und zu herrschen. Erst am 'Leib', so Nietzsche, lässt sich die wirkliche Genealogie, die wirkliche 'Herkunft' des Gewordenen ablesen − als 'Gesundheitsgeschichte des europäischen Menschen.'"

Sarasin, Philipp: "'Mapping the body'. Körpergeschichte zwischen Konstruktivismus, Politik und 'Erfahrung'", in: ders.: Geschichtswissenschaft und Diskursanalyse. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2003, S. 100-121, hier S. 105.

 

"Im Schatten der Esskastanie, die schon groß genug war, einen richtigen Schatten zu werfen, teilte ich dann die Beute unter meinen Tieren auf. Ein winziges Stückchen Geflügelwurst geriet vor die Schnauze des Koikarpfens mit dem schönen Namen Zarathustra, der das Maul aufriss und einmal schluckte. Ich bin mir nicht sicher, aber ich bildete mir ein, dass er mir anschließend kumpelhaft mit dem rechten Auge zublinzelte. Falls jemals die Koikarpfen die Herrschaft auf diesem Planeten antreten, bin ich in jedem Fall fein raus."

Berndorf, Jacques: Eifel-Liebe. Kriminalroman. Dortmund: grafit 2002, S. 118.

 

"Seit 1890 war [Peter] Behrens in München tätig und gehörte dort zu den Mitbegründern der 'Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk'. Im Sommer 1899 berief ihn der Großherzog nach Darmstadt. Sein eigenes Haus, das er sich 1901 auf der Mathildenhöhe baute, wurde viel beachtet, da es sich von den fein gegliederten Bauten Olbrichs durch seine würdevolle Strenge stark unterschied. Der kubische Bau mit geschwungenen Spitzgiebeln zeigte sich, wie ein zeitgenössischer Chronist schrieb, 'von außen schlicht − wie ein solider Straßenanzug. Innen von einer unerhörten Pracht und Gediegenheit.' Dass sich mit dieser Schlichtheit auch dunkle, ernste Elemente paarten, geht auf die Bewunderung des Architekten für Friedrich Nietzsche zurück, dessen 'Zarathustra' ein Kultbuch der Jahrhundertwende war."

Dewiel, Lydia L.: Jugendstil. Köln: DuMont 2002, S. 120-121.

 

"Philosophisch wurde die Auseinandersetzung mit dem Problem der 'Gleichnisrede' [...] vor allem durch Friedrich Nietzsche und Hans Blumenberg geprägt. Ausgehend von einer Erkenntnistheorie physiologischer Couleur charakterisierte schon Nietzsche alle Wissenschaft als 'Aufthürmen eines unendlich complicirten Begriffsdomes', dessen Fundament 'das Vergessen' einer 'primitiven Metapherwelt', das 'Hart- und Starr-Werden einer ursprünglich in hitziger Flüssigkeit aus dem Urvermögen menschlicher Phantasie hervorströmenden Bildermasse' sei. Hieran knüpft die Metaphorologie Blumenbergs an."

Dotzler, Bernhard J.: "Neuere deutsche Literatur. Zum Beispiel: Kellers 'Sinngedicht'", in: Benthien, Claudia; Velten, Hans Rudolf (Hg.): Germanistik als Kulturwissenschaft. Eine Einführung in neue Theoriekonzepte. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2002, S. 103-122, hier S. 113.

 

"Die Nachmittage, an denen ich Bahn gefahren bin, erscheinen mir als die längsten und die am besten ausgenutzten Nachmittage meines Lebens. Als ich bei Nietzsche über die 'ewige Wiederkehr' las, kamen sofort diese Nachmittage zurück, sah ich mich selbst vor Ewigkeiten 'bahnfahren' und es in Ewigkeit wiederholen."

Hart, Maarten 't: Das Wüten der ganzen Welt. Roman. München, Zürich: Piper 2002, S. 135.

 

"Ich sehe hier einen Musiker, der die Sprache Rossinis und Mozarts wie seine Muttersprache redet, jene zärtliche, tolle, bald zu weiche, bald zu lärmende Volkssprache der Musik mit ihrer schelmischen Indulgenz gegen alles, auch gegen das 'Gemeine' [...] Vielleicht düfte man sich etwas Ähnliches auch für die Welt des Worts versprechen und ausdenken, nämlich daß einmal ein verwegener Dichter-Philosoph käme, raffiniert und 'spätgeboren' bis zum Exzeß, aber befähigt, die Sprache der Volks-Moralisten und heiligen Männer von ehedem zu reden, und dies so unbefangen, so ursprünglich, so begeistert, so lustig-geradewegs, als wenn er selbst einer der 'Primitiven' wäre."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Macho, Thomas H.; Moser, Mafred; Šubik, Christof (Hg.): Ästhetik. Für die Sekundarstufe II. Stuttgart: Reclam 2002, S. 135-136.

 

"Es ist keine Frage: Mißt man das Niveau einer Kultur an Friedlichkeit, Abscheu gegen Grausamkeit und Kommunikationsfähigkeit, sind die Frauen das zivilisiertere Geschlecht. Selbst wenn man mit Nietzsche einwendet, das seien die Tugenden der Schwächeren − dann wird eben die Zivilisation von den Schwächeren gemacht, die die Stärkeren durch die Erfindung der Manieren dazu zwingen, sich nicht wie Neantertaler aufzuführen."

Schwanitz, Dietrich: Bildung. Alles, was man wissen muß. München: Goldmann 2002, S. 486.

 

"Das Ganze fing ja schon bei dem ins Auge gefaßten Titel an. Liebling, gib mir die Peitsche! Zugegeben, es klang zugkräftig, aber schon allein die darin erkennbaren Sado-Maso-Aspekte waren zu vielfältig, um sie einfach zu übergehen."

Völler, Eva: Vollweib sucht Halbtagsmann. Roman. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 2002, S. 57.

 

"[...] Klimt sieht die Welt der Erfahrungen letztlich nur als permanenten Vorwand, im Sinne Nietzsches 'Leben' in 'Kunst' zu verwandeln. Er verherrlicht auf geschmackvolle, teilweise an byzantinische Mosaizisten erinnernde Weise jene Kunstreligion, die dem bürgerlichen 19. Jahrhundert seit der Romantik als Religionsersatz herhalten musste."

Wolf, Norbert: Epochen der Kunst. 19. Jahrhundert. Stuttgart: Reclam 2002, Band 10, S. 123.

 

"Bei Nietzsche wird ein weiterer Aspekt der Geschichte des Schwindels deutlich: Die Paarung des Willens mit der Ohnmacht, die Verflüssigung der Grenze zwischen Subjekt und Objekt, die sich in der Geschichte des Schwindels offenbart, spiegeln sich im Zerfließen der Grenze zwischen den Geschlechtern wieder, in einer wachsenden Uneindeutigkeit, die die Opposition von 'Männlichkeit' und 'Weiblichkeit' zu absorbieren scheint: Ist der Schaffende − oder das Subjekt − nicht nur Kind und seine eigene 'Gebärerin', sondern auch die 'Geburtswehen' selbst, so handelt es sich um eine Selbstgeburt in jedem Sinn des Wortes."

Braun, Christina von: Versuch über den Schwindel. Religion, Schrift, Bild, Geschlecht. Zürich, München: Pendo 2001, S. 20.

 

"Argumente für diesen Vitalismus lieferte Friedrich Nietzsche (1844-1900). In ihm fand man den Widersacher der materialistischen, positivistischen und der selbstgenügsamen, philiströsen Haltung. Seinen Kulturpessimismus hatte N. durch eine eigene Zukunftsphilosophie ergänzt: 'Die Zukunft gebe unserm Heute die Regel.' Der Mensch, der zeitgenössische Bürger, ist etwas, was überwunden werden muß. Es gelte, einen Übermenschen zu schaffen. Dieser Herrenmensch kenne zwar Mitleid im christilichen Sinne nicht, aber sein Schöpfertum sei Güte zugleich. Er werde Herr der Erde sein, die Rangordnung der Menschen werde durch ihren Kulturwert bestimmt."

Frenzel, Herbert A.; Frenzel, Elisabeth: Daten deutscher Dichtung. Chronologischer Abriß der deutschen Literaturgeschichte. München: dtv 2001, Bd. 2, S. 484-485.

 

"Mehr als einmal vergleicht Kierkegaard das Genie mit einem Gewitter, das gegen den Wind aufzieht. Ganz gleich, ob er bei diesem Vergleich teilweise an sich selbst denkt oder nicht, scheint er rückblickend auf Kierkegaards eigene geistige Laufbahn zuzutreffen. Wie Marx und Nietzsche erweist er sich im Denken des 19. Jahrhunderts als einer der bedeutenden Bilderstürmer und Rebellen, deren Schriften in bewußter Oppositione zu den vorherrschenden Annahmen und Konventionen geschrieben und deren wesentliche Thesen erst nach ihrem Tod weithin anerkannt wurden."

Gardiner, Patrick: Kierkegaard. Freiburg, Basel, Wien: Herder 2001, S. 11.

 

"Ich trage lange weiße Gewänder aus Thaiseide, rasiere mir den Schädel kahl wie ein Mönch und esse kaum etwas, so daß mein Körper ganz eingefallen ist. Man hält mich für einen Buddhisten, aber in Wirklichkeit beschäftige ich mich mit der Lehre Zarathustras. Sie kennen den Unterschied nicht. Ich kann fast verstehen, warum sie glauben, daß meine geistigen Kräfte nachgelassen haben."

Grisham, John: Das Testament. Roman. München: Heyne 2001, S. 9.

 

"Man darf den Franzosen ihren Ruhm lassen, ohne die gleichzeitigen Deutschen zu 'Hornvieh' zu machen. Was Nietzsche ihnen nicht verzieh: daß sie ihn nicht rechtzeitig entdeckten. Nun, sie haben das später überreichlich nachgeholt."

Mann, Golo: Erinnerungen und Gedanken. Lehrjahre in Frankreich. Frankfurt a. M.: Fischer 2001, S. 212.

 

"Ich möchte davon ausgehen − übrigens ganz im Sinne von Nietzsche − , daß die Zeichen der natürlichen Grundausstattung des Menschen eher auf Vergessen als auf Erinnern stehen und die Tatsache der Erinnerung, des Interesses an der Vergangenheit, der Nachforschung und Durcharbeitung das eigentlich erklärungsbedürftige Problem darstellt. Anstelle des Rekurses auf einen besonderen Sinn oder Trieb halte ich es für sinnvoll, in jedem Einzelfall die Frage zu stellen, was den Menschen dazu gebracht hat, mit seiner Vergangenheit etwas anzufangen."

Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München: Beck 2000, S. 67.

 

"Der tote Gott Nietzsches ist der Vorläufer des toten Menschen, nicht − wie Nietzsche damit hatte sagen wollen − der Märtyrer des Übermenschen."

Blumenberg, Hans: Die Vollzähligkeit der Sterne. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2000, S. 94.

 

"Wie sehr für Philosophie ein literarisches Genre, welch entscheidenden Surplus ihre sprachliche, mit literarischen Mitteln arbeitende Form annehmen kann, demonstriert Diderot nach Platon und vor Nietzsche. Um in seiner Diktion zu bleiben, macht er die Ressourcen der im Taubstummenbrief so genannten Hieroglyphen, einer synthetischen Sprache des Ausdrucks geltend, zeigt, wie abhängig die Kühnheit, nicht weniger jedoch die Präzision des Denkens, von seiner sprachlichen Gestalt ist."

Borek, Johanna: Denis Diderot. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2000, S. 104.

 

"Nietzsches trotzige Lebensbejahung ist da von anderem Schrot. Der junge Bewunderer [gemeint ist Albert Schweitzer] seiner gnadenlosen Abrechnung mit dem Hohlen und Halben der Kultur und der philosophischen Ethik folgt ihm in einem gehärteten Ja zum Leben [...]. Aber auch hier trennen sich die Wege. Eine Philosophie, die Mitleid als Schwäche verhöhnt und den Lebenswillen konsequent bis zum Herrenmenschentum zu Ende zu denken gezwungen ist (wobei auch hier Leben und Lehre sich keineswegs decken), kann nicht Vorbild eines anderen sein, den der Überschuß an Lebenskraft geradezu zum Pflichtgedanken des Beistands ruft."

Steffahn, Harald: Albert Schweitzer. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2000, S. 92.

 

"Die einzige marxistische Philosophie, die Lukács ablieferte, war sein eigenes Werk, Die Zerstörng der Vernunft. Aber auch das handelte nicht von Marx, sondern von Schopenhauer, Schelling und Nietzsche.

Marx zu lehren galt als lebensgefährliches Unterfangen."

Heller, Ágnes: Der Affe auf dem Fahrrad. Eine Lebensgeschichte. Berlin, Wien: Philo 1999, S. 160.

 

"Nach Nietzsche besteht das Geheimnis größter Lebenserfüllung und Lebensfreude darin, gefährlich zu leben. Oder wie es ein zeitgenössischer Experte für Streßmanagement formulierte: 'Lieber ausgebrannt als eingerostet!'"

Martin, Paul: Körper-Bewusstsein. Die moderne Medizin und das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 1999, S. 205.

 

"Im Zug des von Friedrich Nietzsche proklamierten Tod Gottes hatte das bürgerliche Weltgefüge des christlich geprägten intellektuellen Zentraleuropäers jeglichen Sinn verloren."

Scharnagl, Hermann (Hg.): Operngeschichte in einem Band. Berlin: Henschel 1999, S. 495.

 

 

Bildquelle: Gane, Laurence; Chan, Kitty: Introducing Nietzsche. New York: Totem books 1998, S. [143].

 

"Vielleicht sind wir also tatsächlich jene einzigartige Spezies, für die der von Nietzsche geprägte Spruch 'Wissen ist Macht' mit vollem Recht zutrifft. Jedenfalls, soweit uns die Geschichte unserer Vorfahren mehr oder weniger direkt zugänglich ist, sei es durch im günstigsten Fall schriftliche Überlieferungen oder auch nur durch indirekte Zeugnisse vergangener Kulturen, es gab offensichtlich zu jener Zeit so etwas wie ein dominierendes Weltbild, das immer auch in privilegierter Weise von bestimmten Individuen aufgestellt und behütet wurde."

Heschl, Adolf: Das intelligente Genom. Über die Entstehung des menschlichen Geistes durch Mutation und Selektion. Berlin, Heidelberg: Springer 1998, S. 66.

 

"Insgesamt scheint das theoretische Interesse am Drama, besonders am Musikdrama (Wagner) und an der Tragödie (E. v. Hartmann, Nietzsche) größer gewesen zu sein. Jedenfalls gibt es 1871 eine Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, doch keine so explosive Wiedergeburt des Paradigmas <Komödie> aus dem Geiste des Aristophanes wie zum Beginn des Jahrhunderts."

Profitlich, Ulrich (Hg.): Komödientheorie. Texte und Kommentare. Vom Barock bis zur Gegenwart. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1998, S. 92.

 

"Interessanterweise diskutierte der 'Einsiedler von Sils' seine Philosophie lange Jahre hauptsächlich mit Frauen, ja er war geradezu von einem 'Kranz von Frauenrechtlerinnen' umgeben. [...] Viele reisten ab 1885 eigens ins Engadin, um den 'gefährlichen Frauenfeind' zu besuchen: Resa von Schirnhofer, Helene von Druskowitz, Lou Andreas-Salomé, Helene Zimmern, um nur einige zu nennen. Die erste Nietzsche-Biographie stammt von einer Frau, die zu diesem Kreis gehörte: Meta von Salis-Marschlins schrieb 1897 Philosoph und Edelmensch."

Rullmann, Marit: Philosophinnen. Von der Romantik bis zur Moderne. [Frankfurt a.M.]: Suhrkamp 1998, S. 65.

 

Bildquelle: Gernhardt, Robert: Vom Schönen, Guten, Baren. Gesammelte Bildergeschichten und Bildgedichte. Zürich: Haffmans 1997, S. 290.

 

"'Müßiggang ist aller Philosophie Anfang', sagte ich, das war immer einer von Michaels Lieblingssprüchen.

Er sah mich verblüfft an: 'Woher kennst du diese Lebensweisheit? Die ist von meinem Lieblingsphilosophen, von Nietzsche!'

'Ach, Nietzsche', machte ich auf ahnungslos, 'das wußte ich natürlich nicht. Las ich es neulich in Reader's Digest oder als Reklamespruch auf einer Müsli-Packung?'"

Heller, Eva: Erst die Rache, dann das Vergnügen. Roman. München: Droemer Knaur 1997, S. 285.

 

"Aber sie ist der Ansicht, daß 'die wahre geistige Nahrung aus der Lektüre kommt'. Sie liest begierig, während Michel, wenn er wieder einmal auf dem Trockenen sitzt, russisch lernt. Sie lesen einander gern vor: Vergil auf Lateinisch, Homer auf Griechisch; Ibsen, Nietzsche und Selma Lagerlöf, die Marguerite ihr Leben lang für 'eine geniale Schriftstellerin' hält."

Savigneau, Josyane: Marguerite Yourcenar. Die Erfindung eines Lebens. Frankfurt a. M.: Fischer 1997, S. 74.

 

"Unter den Philosophen war Friedrich Nietzsche (1844-1900) der erste, der sich engagiert 'gegen die Verächter des Leibes' wandte. Nietzsche formulierte bereits die Grundzüge jener Theorie, die die Grundlage heutiger Körpertherapien bildet und von der neurophysiologischen Forschung bestätigt wird. Die moderne Leib-Philosophie sieht Körper und Seele als innige Einheit: Der Mensch hat nicht den Körper, sondern ist Leib. Seele und Körper gemeinsam bilden das Ich. Durch den Leib hat das Ich teil an der Welt, durch ihn drückt sich der Mensch aus und geht auf die Mitmenschen zu."

Federspiel, Krista; Lackinger Karger, Ingeborg: Kursbuch Seele. Was tun bei psychischen Problemen? Beratung, Selbsthilfe, Medikamente, 120 Psychotherapien auf dem Prüfstand. Köln: Kiepenheuer und Witsch 1996, S. 423-424.

 

"Als Zarathustra in die nächste Stadt kam, sprach er zum Volke auf dem Marktplatz:

'Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr getan, ihn zu überwinden?'

Viel, lautet die heute einzig mögliche Antwort auf Friedrich Nietzsches über einhundert Jahre alte Frage. Der Cyborg, der am 2. August 1994 unter dem Beifall von ein paar hundert Computerfans langsam auf die Bühne des großen Versammlungssaals rollt, beweist es − und führt zugleich vor Augen, wie rudimentär das Erreichte erst ist."

Freyermuth, Gundolf S.: Cyberland. Eine Führung durch den High-Tech-Underground. Berlin: Rowohlt 1996, S. 203.

 

"Nietzsche Haus[:] Die Backsteinvilla mit einem Anflug von Jugendstil wurde die letzte Lebensstation des Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900). Drei Jahre vor seinem Tod war er mit seiner umtriebigen Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche zunächst in die Villa Silberblick an der damaligen Louisenstraße gezogen. Dank kräftiger Zuschüsse von Verehrern ihres Bruders konnte sie das spätere Heim unter Mithilfe von Henry van de Velde ausbauen und machte daraus später ein Nietzsche-Archiv nach den Vorbildern der bereits in der Stadt vorhandenen Archive für Goethe und Schiller. Die übertriebene Nietzsche-Verehrung im NS-Reich hatte zur Folge, daß nach 1945 die neuen Machthaber Nietzsche ignorierten und das Archiv schlossen."

Lützkendorf, Hans: Weimar mit Umgebung. Reisen mit Insider-Tips. Ostfildern: Mairs Geographischer Verlag 1996, S. 34-35.

 

"Richard Wagner trägt für mich − zu viel falsche Diamanten."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Kleßmann, Eckart (Hg.): Über Musik. Gedichte, Erzählungen, Betrachtungen. Stuttgart: Reclam 1996, S. [50].

 

"Die großen Arkadenräume in Raffaels Schule von Athen habe ich lange Zeit [...] als Orte gesehen, in denen sublime Gedanken entstehen. Jetzt, wo wir Dank Frances Yates mehr wissen über Mnemonik, also über den Zusammenhang von Gedächtnis und Erinnerung und Verknüpfung mit Orten, stelle ich mir eine CD Rom vor mit einer Einführung in die Philosophie Nietzsches. Als Denkraum sehe ich die Bogengänge der Turiner Altstadt."

Burda, Hubert: Künstlicher Horizont. Notizen 1990-94. München: Petrarca Verlag [ca. 1995], S. 123.

 

"In conclusion, the notions of self in this text point toward a reconstitution of the transcendent subject, a subject articulated with qualities similar to those of decentering: plasticity, multi-referentiality, the constitutive precariousness of the subject, etc. Its metaphors are fundamentally spatial and structural and provide the ontological infrastructure for the creation of an ultra-human condition (prophesied by Nietzsche at the end of the nineteenth century)."

Figueroa-Sarriera, Heidi J.: "Childen of the mind with disposable bodies. Metaphors of self in a text on artificial intelligence and robotics", in: Gray, Chris Hables (Hg.): The cyborg handbook. New York, London: Routledge 1995, S. 127-135, hier S. 134.

 

"Es gibt einen Grad von Ungeduld bei Menschen der Tat und des Gedankens, welcher sie bei einem Mißerfolge, sofort in das entgegengesetzte Reich übertreten, sich dort passionieren und in Unternehmungen einlassen heißt, − bis auch von hier wieder ein Zögern des Erfolges sie vertreibt: so irren sie, abenteuernd und heftig, durch die Praxis vieler Reiche und Naturen und können zuletzt, durch die Allkenntnis von Menschen und Dingen, welche ihre ungeheuere Wanderung und Übung in ihnen zurückläßt, und bei einiger Milderung ihres Triebes − zu mächtigen Praktikern werden. So wird ein Fehler des Charakters zur Schule des Genies."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Wickert, Ulrich (Mitarb.): Das Buch der Tugenden. Hamburg: Hoffmann und Campe 1995, S. 712.

 

"In manchem erinnern die Wohlstandsbürger der westlichen Industrieländer an den 'letzten Menschen', wie ihn Nietzsche im 'Zarathustra' beschrieben hat − den Menschen, der das Glück erfunden zu haben glaubt, am längsten lebt, es sich bequem macht, der achtsam einhergeht, weil Krankwerden als sündhaft gilt, der nicht mehr über Steine und Menschen stolpern will und sich mit ein wenig Gift ab und zu angenehme Träume und sich am Ende mit etwas mehr Gift ein angenehmes Sterben bereitet. Vielleicht ahnte Nietzsche bereits, daß es einst einen großen Katalog von Psychopharmaka geben würde, mit denen sich inzwischen wachsende Volksmassen vor Angst, Leiden und Verstimmungen zu schützen versuchen. In unserer Wohlstandskultur herrscht eine neue Moral."

Richter, Horst-Eberhard: Umgang mit Angst. Düsseldorf, Wien: ECON 1995, S. 19.

 

"Aber ich stelle schon wieder rhetorische Fragen, auf die schon Nietzsche eine Antwort zu geben versuchte, als er in 'Jenseits von Gut und Böse' behauptete, Wahnsinn bei Individuen sei selten, aber in Gruppen, Nationen und Epochen sei er die Regel. Doch warum sollten wir gewöhnlichen Sterblichen weiser sein als die ungleich mächtigeren Nullsummenspieler, zum Beispiel die Politiker, Patrioten, Ideologen oder gar die Supermächte?"

Watzlawick, Paul: Anleitung zum Unglücklichsein. München: dtv 1994, S. 127-128.

 

"'Was wir im Traume erleben', sagt Friedrich Nietzsche, 'gehört so gut zum Gesamthaushalt unserer Seele wie etwas wirklich Erlebtes.' Gerne möchte man aber wissen, ob das Geträumte etwas bedeute. Ich z. B. träume ständig von brennenden Kalendern und verschleierten Frauen, und ein Freund erzählte mir neulich, er habe geträumt, ein Zeugnis überreicht zu bekommen, in welchem steht: 'Mathematik gut, Karlsruhe sehr gut'."

Goldt, Max: Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau. Aus Onkel Max' Kulturtagebuch. Zürich: Haffmans 1993, S. 166.

 

"Jene, die an der Macht sind, behaupten, uns ohne jeden Eigennutz beschützen zu wollen. Aber wie Friedrich Nietzsche es über die Philosophen in 'Jenseits von Gut und Böse' sagte, gibt es nichts Unpersönliches. Wenn Staatsmänner (oder -frauen) in ihrem Sein gespalten sind, müssen sie fortwährend mit einer Lüge leben. Was sie uns offerieren, kann dann nur vom Gefüge des Menschlichen getrennt sein."

Gruen, Arno: Der Verrat am Selbst. Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau. München: dtv 1993, S. 160-161.

 

 

Bildquelle: Martel, Huguette, in: The New Yorker, 1993.

 

"BOSLER:       Frauen brauchen eine strenge Hand. Schon Immanuel Kant hat gesagt: gehst du zum

                        Weibe, vergiß die Peitsche nicht.

MUSSMANN:  (ein bißchen aufmüpfig) Das hat Nietzsche gesagt.

BOSLER:         Der auch? Sehen Sie. Zwei Denker − eine Meinung."

Pillau, Horst: Vorhang auf! Sketche für jede Gelegenheit. Niedernhausen/Ts.: Möller 1993, S. 81.

 

"Ray macht das Beste aus seiner Lage. Trotz des Touretteschen Syndroms, trotz Haldol, trotz der 'Unfreiheit' und der 'Künstlichkeit', und obwohl ihm das Recht auf die Freiheit, die die meisten von uns genießen, genommen worden ist, führt er ein erfülltes Leben. Aber et hat aus seiner Krankheit gelernt und ist gewissermaßen über sie hinausgewachsen. Man könnte mit Nietzsche sagen: 'Und was die Krankheit angeht: würden wir nicht fast zu fragen versucht sein, ob sieuns überhaupt entbehrlich ist? Erst der Schmerz ist der letzte Befreier des Geistes.' Paradoxerweise hat Ray, der einer physischen Gesundheit beraubt war, eben durch das ihm auferlegte Schicksal eine neue Gesundheit, eine neue Freiheit gefunden. Er hat das erreicht, was Nietzsche gern die große Gesundheit nannte: Unerschrockenheit, geistige Beweglichkeit und einen ausgeprägten Sinn für Humor − und dies, obwohl oder gerade weil er am Touretteschen Syndrom leidet."

Sacks, Oliver: Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1993, S. [142].

 

"Gäbe es die Welt nicht, in die hinein die Menschen geboren werden und aus der heraus sie sterben, so gliche menschliches Dasein in der Tat der 'ewigen Wiederkehr', es wäre das todlose Immersein des Menschengeschlechts wie jeder anderen Gattung tierischen Lebens. Jede Lebensphilosophie wird mit Nietzsche dazu kommen müssen, die 'ewige Wiederkehr' als das höchste Seinsprinzip zu etablieren; tut sie es nicht, so weiß sie nicht, wovon sie redet."

Arendt, Hannah: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München, Zürich: Piper 1992, S. 89.

 

"Wichtig für die Neuakzentuierung wurde die philosophische Auseinandersetzung mit dem Problem der Gewalt. Während sowohl die katholische Kirche [...] wie die [...] puritanisch-protestantische Kirche Napoleon bei aller Anerkennung seiner Leistungen verurteilten und TOLSTOJ, der Apostel christlicher Gewaltlosigkiet, seine Größe als Scheingröße kennzeichnete [...], sah NIETZSCHE in ihm eine Verkörperung seines Übermenschen-Ideals und wirkte mit dieser These nachhaltig."

Frenzel, Elisabeth: "Napoleon", in: dies.: Stoffe der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. Stuttgart: Kröner 1992, S. 560-566, hier S. 564-565.

 

"Ich habe den Deutschen die tiefsten Bücher gegeben, die sie überhaupt besitzen − Grund genug, daß die Deutschen kein Wort davon verstehen..."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: John, Johannes [Hg.]: Reclams Zitaten-Lexikon. Stuttgart: Reclam 1992, S. 82.

 

"Sie erwartete fast, den Geruch der Koteletts wahrzunehmen, die er inzwischen sicher fast verbrannt hatte, weil er dasaß und diesen Dingsda las − Nietenkopfel, oder wie er hieß − oder irgendeinen anderen, genauso unverständlichen Verrückten."

White, Patrick: Im Auge des Sturms. Roman. München, Zürich: Piper 1992, S. 175.

 

 

Bildquelle: Barraclough, Geoffrey: "Das europäische Gleichgewicht und der neue Imperialismus", in: Mann, Golo (Hg.): Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte. Berlin, Frankfurt a.M.: Propyläen Verlag 1991, S. 705-739, hier S. 715.

 

"Wenn ein Kenner der Szene, ein einsamer Simmentalgänger spät nachts über Stock und Stein an Blankenburg vorbeikommt, in gebührender Distanz gehalten durch seine Latifundien, und es springt ihm ein Gartenfenster oder ein Ochsenauge als Mond entgegen, weiß er sofort, hier wird gelesen, wahrscheinlich Nietzsche, wahrscheinlich, dem Licht nach zu schließen, wird Also sprach Zarathustra der Dunkelstaumauer zwischen den Spillgerten und dem Hunsrügg abgetrotzt, und er kann beruhigt weiterstapfen, der Simme entlang Richtung St. Stephan, Grodey, der eigenen Lektüre entgegen."

Burger, Hermann: Erzählungen. Stuttgart [u.a.]: Dt. Bücherbund [1991], S. 193.

 

"Die Forderung, geliebt zu werden, ist die größte der Anmaßungen."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Motzan, Peter [Hg.]: Klassische Verse und Zitate. Für Glückwünsche, Briefe, Reden und Poesiealben. Niedernhausen/Ts.: Falken 1991, S. 75.

 

"Während die einen (PLATON, ARISTOTELES, DESCARTES, SPINOZA, KANT, HEGEL u. a.) das Streben nach Einheit des Menschen mit sich selbst als einen Prozeß der Vergeistigung, der Überwindung des Leiblich-Natürlichen deuteten, betonten die anderen (FEUERBACH, SCHELLING, MARX, KIERKEGAARD, NIETZSCHE, SCHOPENHAUER u. a.) die Leibgebundenheit des Geistes und dachten die Selbstidentifikation des Menschen als einen Prozeß der Verleiblichung. Die Kategorien Vergeistigung und Verleiblichung deuten die Richtung und den Schwerpunkt an, unter dem das Verhältnis des Menschen zu sich selbst anthropologisch reflektiert wurde."

Pieper, Annemarie: Einführung in die Ethik. Tübingen: Francke 1991, S. 67.

 

"Geschichte handelt fast nur von schlechten Menschen, die später gutgesprochen worden sind."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Ronner, Markus M.: Die richtige Pointe. Humoristisch-satirische Geistesblitze des 20. Jahrhunderts, nach Stichwörtern alphabetisch geordnet. Herrsching: Wissen 1991, S. 235.

 

"Dieser neue, vom Tode sich abstoßende Ernst gegenüber dem Leben impliziert keineswegs notwendigerweise ein Ja zum Leben oder zum Dasein des Menschen als solchem. In der Tat haben nur Nietzsche und in seiner Nachfolge Jaspers ein solches Ja ausdrücklich zum Boden ihres Philosophierens gemacht; und dies ist auch der Grund dafür, daß von ihren philosophischen Überlegungen ein positiver Weg in die Philosophie führt."

Arendt, Hannah: Was ist Existenz-Philosophie? Frankfurt a. M.: Hain 1990, S. 25.

 

"MAN VERDIRBT EINEN JÜNGLING am sichersten, wenn man ihn anleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten als den Andersdenkenden."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Rasumowskaja, Ljdmila: Liebe Jelena Sergejewna [Programmbuch]. Bochum: Schauspielhaus 1990, S. 106.

 

"Er [C. G. Jung] fing an, Nietzsche zu lesen und war begeistert, besonders von 'Zarathustra'. Aber nach und nach erkannte er, daß Zarathustra die Nummer 2-Persönlichkeit von Nietzsche war und daß er ihn zu seinem beherrschenden Selbst hatte werden lassen. Das Resultat war nach Ansicht Jungs die geschwollene Sprache des 'Zarathustra' und Nietzsches zunehmende manische Selbstüberschätzung, die im Wahnsinn endete."

Wilson, Colin: Herr der Unterwelt. C. G. Jung und das 20. Jahrhundert. München: Knaur 1990, S. 32.

 

"10. Mai 1981. An der Bayerischen Staatsoper wird 'Lou Salomé' von Giuseppe Sinopoli uraufgeführt.

Der am 1. Dezember 1946 in Venedig geborene Sinopoli, Doktor der Medizin, spezialisiert auf Psychiatrie, schildert in seiner ersten Oper das Leben der Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé (1861-1937), Freundin von Friedrich Nietzsche und Rainer Maria Rilke sowie Vertraute und Schülerin von Sigmund Freud. Der farbige Orchesterklang erinnert streckenweise an Alban Berg, Claude Debussy und den italienischen Verismo."

Zöchling, Dieter: Die Chronik der Oper. Dortmund: Chronik Verlag 1990, S. 577.

 

"Ein Stück mit Schopenhauer gegangen

mit Nietzsche

fatale Freundschaften

Papierbindungen

Bücherbrüder"

Bernhard, Thomas: Ritter, Dene, Voss. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1989, S. 119.

 

"In England ist alles noch unberührt

von der Katastrophe

aber das ist es ja

Deine Erfahrung hast du sozusagen

aus Deutschland

holt wieder sein Sacktuch aus der Rocktasche

denke nur an Schopenhauers Parerga

Nietzscheeffekt

schneuzt sich"

Bernhard, Thomas: Der Theatermacher. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989, S. 131-132.

 

"Ist unsere Mode ein Ausdruck unserer angekränkelten Natur, wie Nietzsche meint? Sind unsere Körper so häßlich geworden, daß sie der Verschönerung durch Mode bedürfen, um anziehend zu sein? Oder steht Kleidung in den Diensten einer dekadenten Erotik, die den lasziven Reiz der Vorstellungskraft vor aller Handlung braucht und die Bestätigung, Widerstände überwunden zu haben, um Genuß zu empfinden?"

Böhm, Thomas; Lock, Birte; Streicher, Thomas (Hg.): Die zweite Haut. Über Moden. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1989, S. 52.

 

"Von Nietzsche jene Wichtigtuerei mit dem Wissen, das bei ihm ein organischer Bestandteil seines Humanismus gewesen ist; die Nachahmer aber sind nur bildungsläufig und lassen ununterbrochen, wie die Rösser ihre Äpfel, die Zeugnisse ihrer frisch erlesenen oder aufgeschnappten Bildung fallen [...]. Von Nietzsche jene Pose der Einsamkeit, die bei den Nachahmern nicht weniger kokett ist als der Ausdruck jener Einsamkeit beim Meister; 'man' lese das heute nach, und man wird erstaunt sein, wie blank poliert die Schmerzen aus Sils-Maria sind. Von Nietzsche jene lateinische Verwendung des Superlativs, wo statt der größte: sehr groß gemeint ist. So entstehen diese fatalen Urteile: 'das beste Buch des achtzehnten Jahrhunderts', und um das zu mildern, wird der falsche Superlativ mit einem 'vielleicht' abgeschwächt. Das lesen wir heute in allen Kritiken. Sie haben an Nietzsche nicht gelernt, gut deutsch zu schreiben. Er war ein wunderbarer Bergsteiger; nur hatte er einen leicht lächerlichen, bunt angestrichenen Bergstock. Sie bleiben in der Ebene. Aber den Bergstock haben sie übernommen."

Tucholsky, Kurt: Panter, Tiger & Co. Eine neue Auswahl aus seinen Schriften und Gedichten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1989, S. 109-110.

 

"Der heutige Mensch leidet zuerst nicht unter der Sünde, sondern unter der Sinnlosigkeit seines Lebens; ihn schreckt nicht der Zorn, sondern die Abwesenheit Gottes; er verlangt nicht nach Vergebung, sondern nach Vergewisserung; er fragt darum, wenn er überhaupt noch nach Gott fragt, nicht nach dem gnädigen, sondern nach dem wirklichen Gott: Wo ist Gott? Oder schon längst mit Nietzsche: Wohin ist Gott?"

Zahrnt, Heinz: Gotteswende. Christsein zwischen Atheismus und Neuer Religiosität. München, Zürich: Piper 1989, S. 74.

 

"Aber mit der Philosophie kannst du dich nicht ins Bett legen, mein kleiner Bruder, sagte sie oft, worauf ich genauso oft erwiderte, selbstverständlich kann ich das, ich beschmutze mich dabei wenigstens nicht. Diese Bemerkung hatte dazu geführt, daß sie einmal in meiner Gegenwart, in einer Gesellschaft in Mürzzuschlag, wo sie mich nach pausenlosen Überredungen hingeschleppt hatte, über mich gesagt hat: mein kleiner Bruder schläft mit Schopenhauer. Abwechselnd mit Schopenhauer und mit Nietzsche, worauf sie naturgemäß den erwarteten Erfolg hatte, wie immer, auf meine Kosten."

Bernhard, Thomas: Beton. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1988, S. 55.

 

"Nietzsche, der es selbst lebte, wußte sehr wohl, was das Geheimnis eines Philosophenlebens ausmacht. Der Philosoph macht sich die asketischen Tugenden zu eigen − Demut, Armut, Keuschheit −, um sie für ganz besondere, unerhörte und in Wahrheit alles andere als asketische Zwecke dienstbar zu machen. Er macht daraus den Ausdruck seiner Einzigartigkeit."

Deleuze, Gilles: Spinoza. Praktische Philosophie. Berlin: Merve 1988, S. 9. 

 

"Wang Guowei, ebenfalls ein überzeugter Monarchist, war im Jahr 1898 in die Dongwen xueshe von Schanghai eingetreten und hatte dort Japanisch und Englisch gelernt. Nach seinem Physik-Studium in Japan im Jahr 1902 hatte er in den Lehrerseminaren von Nantong und anschließend von Suzhou in Jiangsu Philsophie unterrichtet; zu dieser Zeit las er die deutschen Philosophen (Kant, Schopenhauer und Nietzsche). Der Sturz der Dynastie im Jahr 1911 traf ihn schwer und er flüchtete wie sein Freund Luo Zhenyu nach Japan. Dort wandte er sich von der westlichen Philosophie ab und kehrte zur Tradition der textkritischen Studien zurück."

Gernet, Jacques: Die chinesische Welt. Die Geschichte Chinas von den Anfängen bis zur Jetztzeit. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1988, S. 548-549.

 

"Henry Louis Mencken, 1880-1956, ist ein in den USA viel gelesener Journalist und Schriftsteller aus einer ursprünglich deutschen Familie gewesen. Neben zahlreichen eigenen literarischen, satirisch-politischen und philologischen Werken erschienen Arbeiten von ihm, mit denen er als Wegbereiter für Nietzsche und G. B. Shaw in Amerika wirkte."

Harris, Thomas A.: Ich bin o.k. Du bist o.k. Wie wir uns selbst besser verstehen und unsere Einstellung zu anderen verändern können. Eine Einführung in die Transaktionsanalyse. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988, S. 163, Fußnote.

 

"Im Kampf mit überstarken und überschwachen Pastoren-Vätern haben einige Pastorensprößlinge, unter ihnen die Menschenkinder Nietzsche, Gottfried Benn, C. G. Jung mit einigem Entsetzen die Schwäche ihres Vaters in den lieben Gott projiziert. Dies hier aber nur so nebenbei bemerkt."

Heer, Friedrich: "Die Angst vor meinem lieben Gott", in: Jooß, Erich; Ross, Werner (Hg.): Katholische Kindheit. Literarische Zeugnisse. Freiburg, Basel, Wien: Herder 1988, S. 82-86, hier S. 84.

 

"Nietzsche [ist] darum bemüht, das Leben aufzuwerten. Tonio übernimmt die positive Bewertung des Lebens, wobei er allerdings [...] den Lebensbegriff relativiert. Aus Nietzsches starkem, gewalttätigem und schönem Leben werden bei Tonio die 'Wonnen der Gewähnlichkeit' [...], wird das Leben in seiner bürgerlichen Ausprägung, bzw. im Sinn von Empfindung und 'warmem herzlichem Gefühl'."

Hermes, Beate: Lektürehilfen Thomas Mann "Tonio Kröger". Stuttgart: Klett 1988, S. 50-51.

 

"Nosso modernista cardeal, Nietzsche, saudou o novo e o decadente como meios de varrer a corrupção das culturas anteriores. Mas para Nietzsche, que fez distinções sutis e elaborou paradoxos cuidadosos, devia haver uma verdadeira decadência. Essa última associa-se com todos os elementos da vontade que levam à negação, à oposição, à subversão; o que ele reuniu em torno do termo ressentiment. O ‚pós-modernismo‘ que, na língua de Toynbee, é negativo e destrutivo era o ressentiment de Nietzsche, que era positivo e construtivo. O que era, para um, um ato de morte, era, para o outro, uma valorisação da vida."

Karl, Frederick R.: O moderno e o modernismo. A soberania do artista 1885-1925. Rio de Janeiro: Imago 1988, S. 126.

 

"Der Eindruck der Schrecken des Ersten Weltkrieges bewirkt dann eine ironische Relativierung des unbedingten futuristischen Fortschrittsdenkens, das noch wenige Jahre vor 1914 eine orgiastische Kriegsverherrlichung durch Marinetti im Anschluß an Nietzsches 'Umwertung aller Werte' ermöglicht hat."

Thomas, Karin: Bis heute: Stilgeschichte der bildenden Kunst im 20. Jahrhundert. Köln: DuMont 1988, S. 80.

 

"Friedrich Nietzsche hat versucht, bei Lou Andreas-Salomé Geborgenheit zu finden. Der stolze Mann wurde zurückgewiesen. Später litt er an der blindwütigen Verachtung der Frau. Zeit seines Lebens aber suchte er verzweifelt weiter. Man merkt seinem Werk an, daß diese Suche vergeblich geblieben ist."

Wieck, Wilfried: Männer lassen lieben. Die Sucht nach der Frau. Stuttgart: Kreuz Verlag 1988, S. 74.

 

"Stépha hakte mich auf der Straße ein; im Kino schob sie ihre Hand in die meine; sie küßte mich bei jeder Gelegenheit. Sie erzählte mir eine Menge Geschichten, begeisterte sich für Nietzsche, empörte sich gegen Madame Mabille, machte sich über ihre Verehrer lustig: sie hatte großes Talent, andere nachzumachen, und führte zwischen ihren Berichten kleine Komödien auf, die mich sehr amüsierten."

Beauvoir, Simone de: Memoiren einer Tochter aus gutem Hause. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987, S. 274.

 

"Sie [Fräulein von Meysenbug] hielten sich für eine Idealistin, aber sie waren eine Phantastin. Eine Träumerin. Sie schreiben, daß Sie den schmalen Pfad der Einsamen gegangen seien, nach den Sternen und nicht nach den Kronleuchtern der Ballsäle geblickt hätten. Es hat auf diesem einsamen Pfad von Künstlern, Philosophen, Theologen nur so gewimmelt. Der Große Brockhaus zählt unter Ihrem Namen einige Berühmtheiten auf: Richard Wagner, Friedrich Nietzsche, Romain Rolland und − so heißt es − andere führende Geister Europas. Der größte Komponist Ihrer Zeit, der größte Philosoph Ihrer Zeit, ein großer Literat Ihrer Zeit; unerwähnt bleiben die Fürstinnen und Kardinäle."

Brückner, Christine: Wenn du geredet hättest, Desdemona. Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen. Frankfurt a. M., Berlin: Ullstein 1987, S. 93.


"Wir sind weit davon entfernt, schreibt sie [Simone Weil] im Frühjahr 1940 an ihren Bruder, über Nietzsche einer Meinung zu sein. Nicht daß ich etwa geneigt wäre, ihn leicht zu nehmen; vielmehr flößt er mir einen unbezwingbaren und fast körperlichen Widerwillen ein; sogar dann, wenn er ausdrückt, was ich selbst fühle... Ich sehe nicht, wie  man einen Liebhaber der Weisheit, der so endet, für erfolgreich halten kann. Sie zeiht ihm ungezügelte Arroganz, wo etwas Demut eher angebracht gewesen wäre. Bei wem Unglück Arroganz bewirke, der könne ein Gegenstand des Mitleids, nicht der Bewunderung sein."

Krogmann, Angelica: Simone Weil. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987, S. 48-49.

 

"Nietzsche sagt: 'Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie', und die Logotherapie fügt hinzu: 'Wer kein Warum zu leben hat, erfreut sich an keinem Wie.'"

Lukas, Elisabeth: Auch dein Leben hat Sinn. Logotherapeutische Wege zur Gesundung. Freiburg i. Br.: Herderbücherei 1987, S. 205.

 

"Gerade weil die Ausführungen Darwins und Nietzsches unsystematisch und widersprüchlich waren, zugleich aber eine Fülle einleuchtender Aphorismen enthielten, luden sie zum Mißbrauch durch hurtige ideologische und politische Scharfmacher geradezu ein. In diesem Sinn war die neue Weltanschauung alles andere als unschuldig. Nietzsches nihilistische Maximen, über die er selbst sich zu erheben und die er umzuwerten vermeinte, wurden aus dem Zusammenhang gerissen − eine Zitiertechnik, die zum Markenzeichen der 'schrecklichen Vereinfacher' der postliberalen Ära avancieren sollte."

Mayer, Arno J.: "Darwin und Nietzsche − der antidemokratische Elitarismus der Jahrhundertwende", in: Beck, Rainer (Hg.): Streifzüge durch die Jahrhunderte. Ein historisches Lesebuch. München: Beck 1987, S. 373-[377], hier S. 374.

 

"Wahnsinn bei Individuen ist selten,

aber in Gruppen, Nationen und Epochen

ist er die Regel."

Nietzsche, Friedrich: "Motto", in: Simmel, Johannes Mario: Doch mit den Clowns kamen die Tränen. Roman. München: Droemer Knaur 1987, Vorsatzblatt.

 

"'Kind' im Sinn von 'er ist das Kind dieser Eltern' ist ein Relationsbegriff. Jemand wird 'Kind' genannt, weil er zu bestimmten anderen Menschen in einer bestimmten Beziehung steht: er ist von Eltern gezeugt und von einer Mutter geboren worden. Dieser Relationsbegriff, dem kein Mensch jemals entwächst, deutet auf eine Grenzssituation unseres Daseins hin: Kinder werden ungefragt in die Welt gesetzt, meist, wie Nietzsche gesagt hat, als Zufallswirkung ihrer Eltern; sie sind durch diese Herkunft geprägt und ihr vorerst ausgeliefert."

Saner, Hans: Geburt und Phantasie. Von der natürlichen Dissidenz des Kindes. Basel: Lenos 1987, S. 99.



 

Bildquelle: Studienkreis (Hg.): Gesagt ist nicht gehört. Aphoristisches zum Thema Lernen. Bochum: Verlag für Didaktik 1987, S. 101.

 

"Ausgehend von Schopenhauers Willensmetaphysik und Richard Wagners Musikdrama entwarf Friedrich Nietzsche (1844-1900) in einer ersten Periode seines Denkens eine ästhetische Rechtfertigungslehre des Lebens mit stark bildungskritischen, geschichtsfeindlichen und antiintellektualistischen Tönen. In einer zweiten Periode huldigte er als 'freier Geist' der positiven Wissenschaft, dem technischen Fortschritt und der Aufklärung. In einer dritten Periode forderte er dann die Überwindung unserer bürgerlich-christilichen Moral und die 'Umwertung aller Werte' im Sinne einer tragisch-dionysischen Welt- und Lebensbejahung angesichts der 'ewigen Wiederkehr des Gleichen', eines eigentlich zu Nihilismus und Verzweiflung treibenden Aspekts. Der Mensch müsse überwunden, der Übermensch gezüchtet werden. Das Wesen der Wirklichkeit und des Lebens sei 'Wille zur Macht'. Nitzschkes(!) Werk − wie das von Marx und Kierkegaard außerhalb der Universität entstanden − zählt zu den lebendigen Vermächtnissen der nachhegelschen Philosophie an die Gegenwart."

Winzer, Fritz (Hg.): Kulturgeschichte Europas. Von der Antike bis zur Gegenwart. Köln: Naumann & Göbel [1987?], S. 665.


 

Bildquelle: Gaymann, Peter, in: DIE ZEIT Feuilleton, Nr. 17, 25.04.1986, S. 13.

 

"Derartiges begeisterte deutsche Nationalromantiker, die Wagner als Musikus des Nationalreiches feierten. Und verstimmte den König von Bayern, der nicht nur seine Souveränitätsverluste beklagte, sondern auch, ähnlich wie Friedrich Nietzsche, eine Niederlage des deutschen Geistes zugunsten des deutschen Reiches befürchtete."

Herre, Franz: Ludwig II. von Bayern. Sein LebenSein LandSeine Zeit. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1986, S. 292.

 

"'Gott ist tot, und wir haben ihn getötet!': Dieses Fanfarensignal Friedrich Nietzsches kennzeichnet doch unsere Zeit, für die Gott abwesende, ja tot ist, wo er nicht spricht, nicht eingreift, wo man über ihn hinweg zur Tagesordnung übergehen kann; man braucht ihn nicht einmal mehr zu bestreiten, er spielt keine Rolle mehr. Mitten in solchem Zerbrechen der Gotteserfahrung jedoch erweist sich auch heute das Leben und der Sieg des auferstandenen Christus [...]."

Huber, Franz [Red.]: Das gesegnet Jahr. Bilder und Texte zum Kirchenjahr. Freiburg i. Br.: Informationszentrum Berufe der Kirche 1986, S. 94.

 

"Wollten sich Sohne der Verväterlichung ihres Lebens und ihrer Ideen widersetzen, überforderte sie die Veränderung normalen Sohneslebens so sehr, daß sie verrückt wurden wie Hölderlin, Lenz, Nietzsche, Schumann, sich das Leben nahmen wie Kleist, Majakowskij, van Gogh, Klaus Mann oder zu jung starben wie Büchner, Körner, Novalis, Kafka, Mozart, Schubert, Schiller."

Pilgrim, Volker Elis: Der Untergang des Mannes. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 32.

 

 

Bildquelle: Sautet, Marc; Boussignac, Patrick: Nietzsche pour débutants. Paris: La Découverte 1986, S. 161.

 

"Es seien die Zwänge der Realpolitik, die Israel in eine peinliche Kooperation mit Pretoria getrieben hätten. 'Wie sagt doch euer Nietzsche?' zitierte Goldenstein, 'die Staaten, diese kalten Ungeheuer.'"

Scholl-Latour, Peter: Mord am großen Fluß. Ein Vierteljahrhundert afrikanische Unabhängigkeit. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1986, S. 534.

 

"Es gibt alles, waß wir zusammengeschossen haben in den Gräben Nietzsche und Goethe und Köln"

Apollinaire, Guillaume: "Es gibt", in: Thalmayr, Andreas (Hg.): Das Wasserzeichen der Poesie oder die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen: in 164 Spielarten. Nördlingen: Greno 1985, S. 52-53, hier S. 52.

 

"Venedig: Tintoretto, Tizian, Veronese haben es mit ihren Gemälden verschönt, und selbst ein nordischer Grübler wie Nietzsche fand in der Stadt der Gondeln und Lagunen milde Töne:

'Die Tauben von San Marco seh' ich wieder,

Still ist der Platz, Vormittag ruht darauf.

In sanfter Kühle schick' ich müßig Lieder

Gleich Taubenschwärmen in das Blau hinauf.'"

Barthel, Manfred (Hg.): Geschichten rund ums Mittelmeer. Italien. Auf den Spuren der Dichter. München-Breitbrunn: Bastei Lübbe 1985, S. 23.

 

"Dann las ich voller Begeisterung Nietzsche: seinen Zarathustra; das Loblied auf das göttliche Sein. Da waren auch R. M. Rilke, ein Freund meiner Frau, und Else Lasker-Schüler, die berühmte jüdische Dichterin, Elisabeth Schmidt-Pauly, ebenfalls eine Dichterin, der große Theologe Guardini, der Maler Willi Geiger und alle jene, bei denen ich dieselbe Melodie in unterschiedlichen Akkorden wiederfand. Und es stieg damals schon die Frage in mir auf: War die große Erfahrung, die Eckehart, Laotse, Buddha erfüllt hatte, nicht im Grunde die gleiche?"

Dürckheim, Karlfried: Mein Weg zur Mitte. Gespräche mit Alphonse Goettmann. Freiburg, Basel, Wien: Herder 1985, S. 15.

 

"Warum diese Vorliebe für Antisprichwörter in der Moderne? Der Hauptgrund wird darin liegen, daß die den meisten Sprichwörtern zugrunde liegende altväterliche Moral einfach nicht mehr in die gesellschaftliche Wirklichkeit paßt. Das alte Wertsystem der Sprichwörter befindet sich ebenso in einer Krise wie die Ideale einer sich immer rascher verändernden Konsumgesellschaft. Schon Friedrich Nietzsche schrieb in aphoristischer Zuspitzung[:] 'Jedes Wort ist ein Vorurteil', und um wie viel wahrer ist dieser Ausspruch bezogen auf Sprichwörter wie 'Lange Haare, kurzer Sinn', 'Wie der Herr, so der Knecht', 'Das Weib gilt nach dem Manne' usw."

Mieder, Wolfgang: Antisprichwörter. Wiesbaden: Verlag für deutsche Sprache 1985, Band 1, S. X.

 

"Sorgsam fand ich jetzt alle Käufer, und alle haben listige Augen. Aber seine Frau kauft auch der Listigste noch im Sack."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Mieder, Wolfgang [Hg.]: Antisprichwörter. Wiesbaden: Gesellschaft für deutsche Sprache 1985, Bd. 2, S. 71.

 

"Alle Künste müssen − Kunststück! − irgendwann und irgendwie entstanden sein. Nach genauen Daten fragt der Computer allerdings vergebens. Auch wer sich von Nietzsches Essay über 'Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik' Jahreszahlen, Umstände der Empfängnis und der Ausstoßung der Leibensfrucht erhofft, sieht sich enttäuscht. Weder Tragödie noch Musik, weder Malerei noch Poesie lassen sich datenmäßig auf ihre Ursprünge zurückführen, nicht einmal unter Einrechnung von Toleranzen − ein paar tausend Jahre rauf oder runter."

Budzinski, Klaus: Pfeffer ins Getriebe. Ein Streifzug durch 100 Jahre Kabarett. München: Heyne 1984, S. 16.

 

"Alles was recht ist, als Student in Oxford hatte Benedict Ingram sich um den Ausländer Friedrich Nietzsche bemüht. Abgesehen davon, daß der Philosoph einen unaussprechbaren Namen hatte, fand der junge Ingram diesen Denker übertrieben, hysterisch und, sehr viel später, fand er ihn verderblich. Hatte nicht Nietzsches Begeisterung für Krieg und Heldentum einen Einfluß auf Herrn Hitler und Dr. Goebbels gehabt? Ingram argwöhnte, daß Nietzsche auch den einfachsten englischen Scherz so wenig verstanden hätte wie Miss Hoffmann. Hatte Lady Frobisher recht, wenn sie das Leben für zu ernst hielt?"

Ekert-Rotholz, Alice: Nur eine Tasse Tee. Roman. Hamburg: Hoffmann und Campe 1984, S. 25.

 

"Freilich, es gibt genug blödsinnige Frauen-Freunde und Weibs-Verderber unter den gelehrten Eseln männlichen Geschlechts, die dem Weibe anraten, sich dergestalt zu entweiblichen und alle die Dummheiten nachzmachen, an denen der 'Mann' in Europa, die europäische 'Mannhaftigkeit' krankt, − welche das Weib bis zur 'allgemeinen Bildung', wohl gar zum Zeitungslesen und Politisieren herunterbringen möchten."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Feyl, Renate (Hg.): Sein ist das Weib, Denken der Mann. Ansichten und Äusserungen für und wider die gelehrten Frauen. Berlin: Union Verlag 1984, S. 85-86.

 

"Im echten Manne ist ein Kind versteckt;

das will spielen.

Auf, ihr Frauen, so entdeckt mir doch

das Kind im Manne!"

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Hucke, Helene (Hg.): Die bekanntesten Sprichwörter. Was ein Häkchen werden will... Köln: Buch und Zeit 1984, S. 12.

 

"Gleich nach seiner Ankunft in Ust-Kut hatte Bronstein für die Irkutsker 'Östliche Rundschau' zu schreiben begonnen, eine Zeitung, die seltsamerweise von Narodniki gegründet worden war. Hier erst wurde der eigentliche, später so bekannte und geschätzte All-round-Journalist und Schriftsteller Leo Trotzki geboren, der über alle und alles schreiben konnte: ... über das Bauerntum, über die russischen Klassiker, über Ibsen, Hauptmann, Nietzsche, Gorki, im Gegensatz zu Lenin, dessen Bildung und Interessengebiete sehr einseitig ausgerichtet waren."

Wilde, Harry: Leo Trotzki. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1984, S. 30.

 

"[Aleister] Crowley erkannte instinktiv, daß die Magie auf irgendeine Weise mit dem Willen des Menschen verknüpft ist, mit dem wahren Willen des Menschen, dem tiefen, instinktiven Willen. Der Mensch ist ein passives Geschöpf, da er viel zu sehr in seinem rationalen Bewußtsein und den trivialen Sorgen des Alltags befangen ist. Crowley mit seinem animalischen Instinkt und seinem mächtigen sexuellen Trieb erkannte intuitiv die Wahrheit in Nietzsches Aussage, daß es so vieles gibt, was noch nicht gesagt oder gedacht wurde."

Wilson, Colin, zit. in: Bailey, Ron [et al.] [Mitw.]: Faszination des Unfassbaren. Geheimnisse und Rätsel des Übernatürlichen und Außerirdischen. Stuttgart, Zürich, Wien: Verlag Das Beste 1983, S. 73.

 

"Der Wolf begnügt sich nicht damit, Kaninchen oder ähnliche Tiere zu fressen, er übernimmt sich ganz offensichtlich; er muß wissen, daß es auf diese Weise mit ihm ein schlimmes Ende nehmen wird, also legt er es ganz bewußt darauf an, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Offensichtlich hat er in seiner Jugend Nietzsche oder einen ähnlichen Schriftsteller dieser Art gelesen (wenn er sprechen und sich eine Haube umbinden kann, warum sollte er dann nicht auch lesen können?) Sein Motto lautet vermutlich 'Lebe gefährlich  − und stirb glorreich!' oder ähnlich."

Berne, Eric: Was sagen Sie, nachdem Sie 'Guten Tag' gesagt haben? Psychologie des menschlichen Verhaltens. Frankfurt a. M.: Fischer 1983, S. 63.

 

"1878 Friedrich Nietzsche: 'Menschliches, Allzumenschliches'."

Hellwig, Gerhard; Linne, Gerhard: Daten der Weltgeschichte. Namen und Ereignisse von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart. Gütersloh: Bertelsmann 1983, S. 338.

 

"Der Mensch mag Nietzsches Rat verfemen,
Zum Weib die Peitsche mitzunehmen:
Doch sicher wird ihm meiner passen:
Verliebt, Zigarrn daheim zu lassen!"

Roth, Eugen: "Guter Rat", in: Ders.: Sämtliche Menschen. München: Hanser 1983, S. 177 sowie ders.: Menschen im Spiegel. Eine Auswahl heiterer Verse. Brugg, Stuttgart, Salzburg: Fackelverlag 1971, S. 71.

 

"Henry Miller, ein wenig Rimbaud, ein wenig Nietzsche, ein wenig Sokrates, ein wenig Swedenborg, ein Schriftsteller, der die Einheit des Menschen mit der Natur, mit dem Kosmos suchte und die Erlösung von der Entfremdung der Kreatur im Zeitalter der klimatisierten Lieblosigkeit. Nietzsches nihilistische Diagnose 'Gott ist tot' mündete in Millers 'Der Mensch ist tot', was noch lebe in ihm, sei bereits der Fäulnis überantwortet. Die Welt, für Miller 'ein riesiges Stück verdorbener Käse, in dem die Maden nagen', tauge nur, um auf ihrem Grund eine bessere zu träumen."

Weltenburger, Martin (Hg.): Das persönliche Geburtstagsbuch. 26. Dezember. München: Das persönliche Geburtstagsbuch GmbH 1983, S. 24.

 

"Im Grunde hat auch Wagner den Bruch mit Nietzsche nie ganz überwunden. Noch ein halbes Jahr vor seinem Tod äußerte er sich nach einer 'Parsifal'-Aufführung zu Nietzsches Schwester, Frau Förster, die er um eine private Unterredung gebeten hatte: 'Sagen Sie es Ihrem Bruder, seit er von mir gegangen ist, bin ich allein.'"

Witeschnik, Alexander: Wer ist Wotan? Wagner und die Wagnerianer in Anekdoten. München: dtv 1983, S. 106.

 

"So ist auch Nietzsches Kopf explodiert. So sind alle diese verrückten philosophischen Köpfe letzten Endes explodiert, weil sie mit dem Hinauswerfen ihres Geistesvermögens nicht mehr nachgekommen sind. In diesen Köpfen entsteht schließlich fortwährend und tatsächlich ununterbrochen ihr Geistesvermögen mit einer viel größeren und grausameren Geschwindigkeit, als sie es zum Fenster (ihres Kopfes) hinauswerfen können und eines Tages explodiert ihr Kopf und sie sind tot."

Bernhard, Thomas: Wittgensteins Neffe. Eine Freundschaft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1982, S. 39-40.

 

"Im Anfangsjahr unseres zu Ende gehenden Jahrhunderts ist Friedrich Nietzsche gestorben. Die Botschaft, 'daß Gott tot ist', hatte eine tief und weitreichende Wirkungsgeschichte, weil sie ja nicht den banalen Atheismus bestätigte, der dem Positivismus der Wissenschaften entstammt, sondern aus dem Glauben selbst kommt. Seit seinem Jugendgedicht an Jesus dauerte in Nietzsche, Sohn eines pietistischen Pfarrers, 'der Widerspruch bis zum Umschlag in die Affinität', in die Deutung eines Jesus, der 'jede Kluft zwischen Gott und Mensch geleugnet' hat. Die  Proklamation vom Tode Gottes ist 'die Reklamation der an Gott >verschwendeten< Attribute für den Menschen' (E. Biser). Die gleiche Proklamation ist es im Grunde, die Dostojewskij (1821-1881) den Großinquisitor verkündigen läßt [...]."

Köhler, Oskar: Kleine Glaubensgeschichte. Christsein im Wandel der Weltzeit. Freiburg i. Br.: Herder 1982, S. 418.

 

"Man bemerkt sogar, daß Marx oder Nietzsche nicht die Sicherheit dessen garantieren, was man ihnen anvertraut hatte. Man darf nicht mehr auf sie zählen, um die Privilegien zu bewahren, noch um ein weiteres Mal zu versichern [...], daß wenigstens die Geschichte lebendig und kontinuierlich ist, daß sie für das zur Frage stehende Subjekt der Ort der Ruhe, der Gewißheit, der Versöhnung − des sorglosen Schlafes ist."

Foucault, Michel: Archäologie des Wissens. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1982, S. 26.

 

"Durch den Beruf seines Vaters kam er [Charles André Joseph Marie de Gaulle] früh zur Begegnung mit der Philosophie, zu der er zeit seines Lebens ein besonderes Verhältnis behalten hat. Der Einfluß von Nietzsche und Hegel, deren deutsche Ausgaben er ohne Schwierigkeiten las, war in seinem militärischen und politischen Denken unverkennbar. Die politische Weisheit eines Montaigne und die Strenge eines Pascal, die zu seinen bevorzugten französischen Philosophen gehörten, waren geeignet, den Einfluß Nietzsches und Hegels zu einem Gleichgewicht zu bringen, das ihn vor dem Extrem bewahrte."

Frank, Paul: Entschlüsselte Botschaft. Ein Diplomat macht Inventur. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1981, S. 60-61.

 

"Der vor allem von Nietzsche unternommene Versuch, zwischen einem ursprünglicheren und echteren Christentum und einem zweiten von Paulus herrührenden zu unterscheiden, ist überholt. Es liegt im Wesen des Christentums und mußte in ihm liegen, allen Völkern die biblische Botschaft zu verkünden, die zunächst diejenige des jüdischen Volkes war."

Goldschmidt, Hermann Levin: Jüdisches Ja zur Zukunft der Welt. Eine schweizerische Dokumentation eigener Mitwirkung seit 1938. Schaffhausen: Novalis Verlag 1981, S. 125.

 

"Nun konnten wir auch unsere Ausflüge wieder aufnehmen. Auf dem Weg zum Fextal kamen wir durch Sils Maria, und ich zeigte ihm das Haus, in dem Nietzsche gewohnt und seinen Ecce Homo geschrieben hatte. Vaslav schätzte dieses Buch. Neuerdings hatte er viel in Maeterlincks Werk, La Mort, gelesen und mehr denn je meditiert."

Nijinsky, Romola: Nijinsky. Der Gott des Tanzes. Biographie. Frankfurt am Main: Insel 1981, S. [376].

 

"Nietzsche scheut sich nicht zu schreiben, daß die geistige Nahrung eines Philosophen ebenso frugal sein müsse wie die eines Tänzers."

Reyna, Fernando: Das Buch vom Ballett. [Köln]: von Nottbeck [1981], S. 223.

 

"Die gefolgstreuen Philosophen-Knechte des Dritten Reiches deuteten den Faschismus als höchsten Ausdruck der gewöhnlich von einer Gesellschaft für männlich gehaltenen Welt. Also sprach Goebbels, und Nietzsche, dieser erleuchtete Geist, hatte vor ihm gelehrt: 'Der Mann soll zum Krieger erzogen werden und das Weib zur Erholung des Kriegers: alles andere ist Torheit.'" Es ist deshalb nicht weiter verwunderlich, daß die Ideologie der Vergewaltigung Blüten trieb [...].

Brownmiller, Susan: Gegen unseren Willen. Vergewaltigung und Männerherrschaft. Frankfurt a. M.: Fischer 1980, S. 55.

 

"Der Glaube an uns selbst ist eine Voraussetzung dafür, daß wir etwas versprechen können, und da der Mensch − wie F. Nietzsche [...] sagt − durch seine Fähigkeit, etwas versprechen zu können, definiert werden kann, ist der Glaube eine der Voraussetzungen der menschlichen Existenz."

Fromm, Erich: Die Kunst des Liebens. Frankfurt a. M., Berlin, Wien: Ullstein 1980, S. 136.

 

"Das originellste, erregendste und einflußreichste 'Wagnis der Sprache' wurde von Friedrich Nietzsche (1844-1900) unternommen. [...] Bezeichnend auch für den Philosophen Nietzsche war, daß er seine Lehre in einer ganz neuen, brillanten Wortkunst des Aphorismus verkündete. [...] Diese sprachschöpferische und bildnerische Kraft bestimmt auch seine Lyrik, die damit in die Nähe derjenigen Hölderlins rückt. Dabei bleibt Nietzsche Impressionist und als solcher einem außerordentlich feinen Gefühl für das Spiel der Lichter, Farben und Klänge bis in ihre feinsten Schwingungen geöffnet."

Glaser, Hermann; Lehmann, Jakon; Lubos, Arno: Wege der deutschen Literatur. Eine geschichtliche Darstellung. Frankfurt a. M., Berlin, Wien: Ullstein 1980, S. 308-309.

 

"Der Herzog von La Rochefoucauld ist der zeitlich erste in der Reihe der französischen Moralisten des 17. und 18. Jahrhunderts. Mit psychologischem Interesse hat er die geheimen Beweggründe menschlichen Verhaltens wie die Moral seiner Zeit durchleuchtet und seine Einsichten in der geschliffenen, witzigen und provozierenden Form des Aphorismus aufgezeichnet. Seine Erfahrungen in einem bewegten Leben wurden die Hauptquelle seiner 'Réflexions ou Sentences et Maximes Morales'. Das hat ihnen Lebensnähe und Echtheit gegeben und ihrem Autor die von Nietzsche gerühmte Sicherheit 'eines scharf zielenden Schützen, welcher immer wieder ins Schwarze trifft − ins Schwarze der menschlichen Natur.'"

Haueis, Albert (Red.): Reclams Literatur-Kalender. Stuttgart: Reclam 1980, S. 33.

 

 

Bildquelle: The New Yorker, 24.03.1980

 

"Der Schrei nach dem Übermenschen begann nicht mit Nietzsche und wird auch nicht enden, wenn er nicht mehr modern sein wird. Aber dieser Schrei ist immer mit derselben Frage beschwichtigt worden: was für ein Wesen soll der Übermensch sein? Man verlangt keinen Überapfel, sondern einen eßbaren Apfel, kein Überpferd, sondern ein Pferd mit größerer Zugkraft oder größerer Geschwindigkeit. Es ist auch nutzlos, einen Übermenschen zu verlangen: man muß eine Spezifizierung des Menschen liefern, wie man ihn eben braucht. Man weiß aber leider nicht, was für einen Menschen man braucht."

Shaw, G[eorge] B[ernard]: Wahrheiten und andere Ketzereien. Bielefeld: Broelemann [1980], [S. 30]. Ebenso, in: Shaw, G[eorge] Bernard: Der gesunde Menschenverstand. Eine Auswahl aus den Werken. München: List 1954, S. 121.

 

"Das Geschick des Adrian Leverkühn ist ein Reflex des Geschicks Friedrich Nietzsches, und zugleich greift in ihm der Verfasser Thomas Mann auf Autobiographisches zurück."

Vormweg, Heinrich: "Prosa in der Bundesrepublik seit 1945", in: Lattmann, Dieter (Hg.): Kindlers Literaturgeschichte der Gegenwart. Autoren, Werke, Themen, Tendenzen seit 1945. Die Literatur der Bundesrepublik Deutschland I. Frankfurt a. M.: Fischer 1980, S. 169-420, hier S. 212-213.

 

"Als er einmal auf diesem hellen Kirman mit dem dunkelblauen Medaillon spazieren gegangen war, hatte er nichts gegen die Vorstellung tun können, er führe an seiner rechten Hand einen Menschen von der Größe eines siebenjährigen Kindes und dieser Mensch sei Friedrich Nietzsche, aber in seinem 40. Lebensjahr, aber reduziert auf die Maße eines Siebenjährigen. Und der hatte entsetzliche Angst vor Otto gehabt. [...] Klaus Buch hatte dann genau diese Angst vor Otto gehabt, die Helmut schon von seinem kleinen Nietzsche gekannt hatte."

Walser, Martin: Ein fliehendes Pferd. Novelle. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1980, S. 124-125.

 

"Er [Curt Dessau] trat an ein Regal und betrachtete die Rücken einiger Bücher, deren Autoren ihn in Erstaunen setzten. Seneca war ebenso vertreten wie Dostojewski, Hölderlin und Nietzsche. Er griff nach Gogol [...]. Aber kaum hatte er das Buch in die Hand genommen, da fiel ein flacher Schlüssel, der zwischen den Seiten gelegen hatte, zu Boden."

Bergius, C. C.: La Baronessa: Roman. Gütersloh [u.a.]: Mohn [u.a.] [1979], S. 233.

 

"Und dann habe ich 'Aphorismen zur Lebensweisheit' von Schopenhauer gelesen. Und dann 'Also sprach Zarathustra' und dann Kafka. Alles innerhalb von zwei Monaten.

Und dann habe ich gedacht, ich hänge mich auf. Was soll das überhaupt noch?

Das war halt so eine Zeit, in der ich überhaupt nicht klargekommen bin."

Konjetzky, Klaus: "'Früher wollte ich kein Mädchen sein!' Eine Gesprächsmontage", in: Doutiné, Heike [u.a.]: Mädchenbuch auch für Jungen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1979, S: 84-93, hier S. 88.

 

"'Sei hart", mahnt Nietzsche. In einem gewissen Sinn, den, wie ich glaube, Nietzsche nicht beabsichtigt hat, steinhart zu sein und soweit tot, beugt das der Gefahr vor, von einer anderen Person in ein totes Ding verwandelt zu werden."

Laing, Ronald D.: Das geteilte Selbst. Eine existentielle Studie über geistige Gesundheit und Wahnsinn. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1979, S. 44.

 

"In allen Büchern ist Thomas Mann, durch Schopenhauer und Nietzsche angeregt, dem Rätsel des Lebens, seines Aufstiegs und seiner Dekadenz, nahegetreten, hat mit feinstem Spürsinn seine Gefährdung und Ausgesetztheit erkundet, ohne vor letzten Konsequenzen zurückzuweichen. Diese Dichtung hält sich, bei aller Bejahung des (kultivierten und durchgeistigten) Lebens, in der Nähe des Todes auf, wagt ihm ins Auge zu sehen;"

Rattner, Josef: Der schwierige Mitmensch. Psychotherapeutische Erfahrungen zur Selbsterkenntnis, Menschenkenntnis und Charakterkunde. Frankfurt a. M.: Fischer 1979, S. 139.

 

"Nietzsche und Masaryk [...] sehen bereits im Laufe des 19. Jahrhunderts, daß sich ein Zeitraum der großen Kriege und Revolutionen nähert. Beide sehen diesen Zeitraum im Zeichen des modernen Nihilismus. Beide verbinden die Krise der gegenwärtigen und zukünftigen Zeiten damit, daß Gott tot ist und uns aus dem Blickfeld verschwunden ist. Nietzsche sagt, daß die höchsten Werte entwertet werden. Aber was noch mehr bedeutet: Nietzsche sieht die nihilistische Krise ebenso wie Masaryk in der radikalen Ablehnung des Wertes, des Sinns, dessen, was man sich wünschen kann. Für Nietzsche wird das nihilistische Zeitalter wenigstens die nächsten zwei Jahrhunderte andauern."

Gruša, Jiří [u.a.] (Hg.): Stunde namens Hoffnung. Almanach tschechischer Literatur, 1968-1978. [Frankfurt a. M.]: Fischer 1978, S. 24.

 

"In der freiheitlichen Schweiz hatte er [der Dramatiker Franz Wedekind (1864-1918)] eine vorzügliche Ausbildung erhalten, und in seinem Elternhaus herrschte ein aufgeklärt-skeptischer Geist, der seinem Denken die Spuren Schopenhauers, Nietzsches und Karl von Hartmanns aufprägte. Schon früh bekannte er sich zum Atheismus, verschrieb sich dem wissenschaftlichen Materialismus seiner Zeit und nahm gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft eine kritische Haltung ein."

Hays, Hoffmann R.: Mythos Frau. Das gefährliche Geschlecht. Frankfurt a. M.: Fischer 1978, S. 333-334.

 

"Worin unterscheidet sich ein Phantast von einem Lügner? Der Phantast hält sich nicht an die Wirklichkeit, dafür um so mehr an seine eigenen Gedanken. Seine Vorstellungen sind falsch, entsprechen nicht der Wahrheit. Der Lügner dagegen weiß die Wahrheit, täuscht jedoch seine Mitmenschen. Die Antithese Nietzsches: 'Der Phantast verleugnet die Wahrheit vor sich, der Lügner nur vor anderen.'"

Hoffmann, Hans; Schelberg, Klaus; Unruh, Mathias: Mehr Erfolg durch sicherer reden, besser rechnen, leichter schreiben mit den neuen internationalen Masseinheiten, einem Wörterbuchanhang und Mengenlehreteil. Hamburg: Xenos-Verl.-Ges. [1978], Sp. 289.

 

"Gilles Deleuze hat mich gefragt: also was wäre denn überhaupt eine intensive Nietzsche-Lektüre? Sicherlichkeine Lektüre im Sinne von Interpretation, von Hermeneutik, noch weniger im Sinne von Wissensakkumulation. Man hätte vom Aphorismus 208 in 'Menschliches, Allzumenschliches' auszugehen. Dort verbrennt der Autor zu Asche und das Buch wird zum Übertrager von Energie auf dem Intensitätsmaximum."

Lyotard, Jean-François: Intensitäten. Berlin: Merve 1978, S. 18.

 

"Nietzsche hat kein geschlossenes Gedankengebäude errichtet. Darin [...] unterscheidet er sich von nahezu allen abendländischen Philosophen. [...] Was soll an die Stelle von Göttern (die alle tot sind) treten? Der "Übermensch", wie ihn Zarathustra predigt? Dieser Übermensch glaubt an kein Jenseits, sondern bejaht aus vollem Herzen die Erde, das Leben. Er ist ohne alle Illusion, ein Mensch der 'tragischen Weisheit'".

Gööck, Roland (Hrsg.): Menschen, die die Welt veränderten. Schicksale, Taten, Wirkungen. Gütersloh: Bertelsmann [1977], S. 238.

 

"Die Abwertung der Frau ist keine europäische Erfindung von Philosophen wie Schopenhauer, Nietzsche ('Wenn du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht'), sondern wurde und wird von den Männern fast aller Kulturen praktiziert. Die australischen Ureinwohner nahmen sich sogar so viel Macht über ihre Frauen heraus, daß sie nach dem Gesetz handelten: Jeder Mann hat das Recht, seine Frau zu töten, wenn er entdeckt, daß sie während ihrer Periode auf seiner Decke gelegen hat."

Lauster, Peter: Statussymbole. Wie jeder jeden beeindrucken will. München: dtv 1977, S. 50.

 

"KIERKEGAARD und NIETZSCHE, um nur zwei hervorragende Namen zu zitieren, haben nicht die Philosophie im allgemeinen angegriffen, sondern die großen abstrakten Systeme der Philosophie, die sich längst von ihrer Verankerung in der tatsächlichen, lebendigen Erfahrung losgetrennt hatten. Auch der Existenzialismus und die Phänomenologie lehnen großenteils diese riesigen verbalen, abstrakten und totalen A-Priori-Systeme der Philosophie ab. Es handelt sich um den Versuch, zum Leben selbst zurückzufinden, das heißt zur konkreten Erfahrung, auf die sich alle Abstrktionen gründen müssen, wenn sie lebendig bleiben wollen."

Maslow, Abraham H[arold]: Die Psychologie der Wissenschaft. Neue Wege der Wahrnehmung und des Denkens. München: Goldmann 1977, S. 94-95.

 

"Es wäre unlogisch, glauben zu wollen, der Evolutionsprozeß in der Natur sei mit dem Homo sapiens zu einem abrupten Ende gekommen. Statt der Höhepunkt der Schöpfung zu sein, sind wir nur eine Entwicklungsstufe unter vielen: Wie Nietzsche gesagt hat, ist der Mensch nur das Bindeglied zwischen Tier und Übermensch."

Navia, Luis E.: Das Abenteuer Universum. Der Weg zur kosmischen Gesellschaft. Wien, Düsseldorf: Econ 1977, S. 144.

 

"Vor Freud und Jung hatte Nietzsche schon auf die Bedeutung der Träume hingewiesen: 'Wenn wir träumen, wiederholen wir noch einmal die Aufgaben der früheren Stufen der Menschheit... Träumen bringt uns in entfernte Entwicklungsstufen der menschlichen Zivilisation zurück und gibt uns ein Mittel zum besseren Verständnis an die Hand.'"

Davies, Nigel: Bevor Columbus kam. Ursprung, Wege und Entwicklung der alt-amerikanischen Kulturen. Düsseldorf, Wien: Econ 1976, S. 380.

 

"Theater und Film lehnte Theo als Degenerationserscheinungen ab [...]. Hatten seine verblasenen Theorien mit ihren asketisch-moralischen Maximen etwas, was durchaus in die Zeit und zu Hitler, zu Rosenberg und Bürgerbräukeller paßte, besonders, wenn er sie in baltischem Stakkato vortrug, während um uns herum grölende Stammtischkumpane ordinäre Witze rissen, so übten Sätze von Stirner, Stendhal [...] oder Nietzsche ('Das Gute bedarf der Rechtfertigung, nicht das Schlechte'), die er in stillen Gesprächen nach endlosen Schachpartien zitierte, eine nachhaltige Wirkung auf mich aus, der ich mich lange Zeit nicht entziehen konnte."

Jürgens, Curd: ... und kein bißchen weise. Stuttgart, Hamburg, München: Dt. Bücherbund 1976, S. 175.

 

"Die anorganische Materie, sagt Nietzsche, sei der mütterliche Schoß. Vom Leben befreit sein, heiße wahr werden, sich vollenden. Wer das verstehe, müsse es als ein Fest betrachten, zum fühllosen Staube heimzukehren."

Beauvoir, Simone de: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1975, S. 159.

 

"'Du hältst es nicht aus, dein herrisches Geschick?' fragt Nietzsche. 'Liebe es. Es bleibt dir keine Wahl!' Aber ein solcher Versuch setzt den Mut und die Kraft zu einem heroischen Dasein voraus, das immer hart an der Grenze zum Scheitern, wenn nicht entlang dem Abgrund der völligen Verneinung des Daseins führt."

Zink, Jörg: Erfahrung mit Gott. Einübung in den christlichen Glauben. Stuttgart: Kreuz Verlag 1975, S. 199.

 

"Der Übermensch ist ein verfrühtes Ideal, das den Menschen voraussetzt."

Kraus, Karl: Anderthalb Wahrheiten. Aphorismen. Berlin: Rütten & Loening 1974, S. 33.

 

"Ich sitze also vor einem Band Nietzsche, von dem ich damals begeistert war und mache mir Auszüge aus dem Antichrist. Plötzlich kommt der Vizedirektor vorbei, sieht mir über die Schulter und sagt: 'Sehr interessant, und was hat das mit Ihrer Arbeit zu tun?' Auf frischer Tat ertappt, wurde ich rausgeschmissen."

Miller, Henry: Mein Leben und meine Welt. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1974, S. 176.

 

"Seit Nietzsche und bis zu bestimmten philosophischen und theologischen Positionen der Gegenwart hin ist immer wieder die Belastung durch das Geschichtliche beklagt worden als etwas Lebensfeindliches − 'lasset die Toten ihre Toten begraben' −, oder es gilt geschichtliches Denken als eine Ablenkung durch das Einmalige und Gewesene vom Bleibenden und Allgemeingültigen. Es ist zudem immer wieder bestritten worden, daß aus den Bedingtheiten etwas Unbedingtes, etwas Verbindliches, etwas Normatives hervorgehen könne."

Rothfels, Hans: "Die Bewältigung der Gegenwart und die Geschichte", in: Burckhardt, Carl J. (Hg.): Geschichte zwischen Gestern und Morgen. München: List 1974, S. 130-148, hier S. 134.

 

"Auffallend groß ist die Zahl der geistig hochstehenden Männer, die in der zweiten Hälfte des 19. und noch in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts von der unheimlichen Krankheit der Paralyse dahingerafft wurden, so − um nur einige wenige Beispiele herauszugreifen − der Komponist HUGO WOLF, der 'Retter der Mütter' IGNAZ PHILIPP SEMMELWEIS [...], der Schriftsteller GUY DE MAUPASSANT, der Philosoph FRIEDRICH NIETZSCHE, der Dichter NIKOLAUS LENAU u. a. m."

Venzmer, Gerhard: 5000 Jahre Medizin. Von vorgeschichtlicher Heilkunde zum ärztlichen Computer. München: Goldmann [ca. 1974], S. 284.

 

"Enfin une résurrection véritablement 'intégrale' du passé se révèle irréalisable aussi, pour des raisons techniques: l'historien ne peut atteindre le passé qu'au moyen de documents; or, le plus souvent, il ne disposera pas d'une masse de documents suffisamment valides, suffisamment complets, ou, si d'aventure ceux-ci abondent, il ne pourra, précisément, à cause de leur abondance même, réussir à les maîtriser. Prenons, par exemple, l'étude si détaillée, si précise, si longuement et méthodiquement préparée de Ch. Andler sur Nietzsche, sa vie, sa pensée: nous pouvons déjà vérifier qu'il n'a pas réussi à connaître, à retrouver tout ce que Nietzsche avait connu, avait lu, pensé, vécu..."

Marrou, Henri-Irénée: "Comment comprendre le métier d'historien", in: Samaran, Charles (Hg.): L'histoire et ses méthodes. Paris: Gallimard 1973, S. 1465-1540, hier S. 1470.

 

"Zu Ende ist es mit dem übersinnlichen Sinn, mit der säkularisierten Theologie, mit den verweltlichten Heilslehren, mit der Philosophie als einem Religionsersatz. Diese Geschichtesphilosophie als Nachfolgerin des lieben Gottes wird auf der Strecke bleiben: der gute Urmensch (Rousseau), die Entwicklung zur Freiheit hin (Kant), der notwendige Fortschritt (Hegel), die Wiederherstellung der wahren Wirklichkeit des Menschen (Marx), der neue Übermensch (Nietzsche), die absolute Zeit (Bloch), die Menschheit als werdender Gott (Teilhard de Chardin). Nicht nur die Theologie hat Haut und Haare lassen müssen. Auch ihre Nachfolgerin, die Theologie, eine sehr deutsche Dame, steht als ziemlich kahlre Sängerin da."

Augstein, Rudolf: Jesus. Menschensohn. Gütersloh: Bertelsmann 1972, S. 418.

 

"Die Herren Demokraten haben nämlich nichts gegen Sklaven [...]. Nietzsche hat zwar vermutet, daß die Athener über den Sklavenhandel Scham empfanden, aber das ist Unsinn; sie empfanden über die Arbeit Scham. Die Reeder gaben den Bankers für die Finanzierung von Sklavenzügen dreißig Prozent Zinsen!"

Fernau, Joachim: Rosen für Apoll. Die Geschichte der Griechen. München, Berlin: Herbig 1972, S. 202.

 

"Die entsymbolisierte Welt des Protestanten hat zunächst eine ungesunde Sentimentalität hervorgebracht und sodann eine Verschärfung des moralischen Konfliktes, der logischerweise zum NIETZSCHEschen 'Jenseits von Gut und Böse' führte, und zwar lediglich infolge seiner Unerträglichkeit. In den zivilisierten Zentren äußert sich dieser Zustand in der zunehmenden Unsicherheit der Ehe."

Jung, C[arl] G[ustav]: Bewusstes und Unbewusstes. Beiträge zur Psychologie. Frankfurt a. M.: Fischer 1972, S. 39.

 

"Friedrich Nietzsche umschreibt mit dem Begriff der Negation jene Grundhaltung des Menschen, der einfach hypostasieren muß in die Räume der Religion, der Metaphysik, des Atheismus und der Wissenschaften hinein, um leben zu können. Durch diese Negation wird aber alles Weltliche, Irdische, Erdige abgewertet, gemindert und disqualifiziert. Es ist bemerkenswert, daß Nietzsche bei seinen Überlegungen die 'feindlichen Brüder': Atheismus, Christentum, die Wissenschaften und die Metaphysik vereint beeinander sieht. Ich habe im christlichen und außerchristilichen Raum keine klarere und treffendere Auslegung dieses 'Wie' von Gen. 3,5 gefunden als in dem Begriff der Negation bei Nietzsche."

Kamp, Peter: "Gut oder böse − der aristotelische Trick", in: Illies, Joachim (Hg.): Die Sache mit dem Apfel. Freiburg i. Br.: Herder 1972, S. 103-115, hier S. 104.

 

"[D]as Ressentiment. Der Duden übersetzt dieses Wort mit 'Wiedererleben eines meist schmerzlichen Nachgefühls'. Nietzsche nannte es, weniger fein aber um vieles deutlicher: das Gefühl ohnmächtigen Hasses, das dem kulturell und geistig tiefer Stehenden gegen den Noblen und Mächtigen eingeboren ist."

Fernau, Joachim: Cäsar lässt grüßen. Die Geschichte der Römer. München, Berlin: Herbig 1971, S. 61.

 

"Es ist kein Zweifel, so werden wir heute rückschauend sagen müssen, daß Nietzsche in Diagnose und Prophetie recht behalten hat. Vieles, was er noch 'unterwegs' sah, ist inzwischen weitergewandert und hat erreicht, wovon Nietzsche sprach."

Fries, Heinrich: Abschied von Gott? Eine Herausforderung − Versuch einer Antwort. Freiburg, Basel, Wien: Herder 1971, S. 31.

 

"Fanzelau seufzt und murmelt: 'Nur wer ein Warum zu erleben hat, erträgt fast jedes Wie.'

'Wie?' fragt Bruno verblüfft.

'Nietzsche', sagt Fanzelau.

'Warum?' fragt Knarje.

Fanzelau winkt ab. 'Eine Redensart. Lassen wir das.'

Simmel, Johannes Mario: Lieb Vaterland magst ruhig sein. Roman. München: Buchgemeinschaft [1971], S. 390.

 

"Nietzsche, Dauthendey, Hofmannsthal, Schnitzler, Bahr, der junge Rilke u. a. haben, anders als die Naturalisten, die Dinge der Welt nicht abgebildet, sondern deren sinnlichen und geistigen Eindruck wiedergegeben."

Valentin, Gerold; Müller, Friedrich: Deutsche Dichtung. Kleine Geschichte unserer Literatur. Paderborn [u.a.]: Schöningh [u.a.] 1971, S. 134.

 

"Dazwischen philosophierte ich, kaute ihm im steten Brommbromm der Druckmaschinen den halben Platon vor, mit besonderer Berücksichtigung von Sokrates' Apologie und dem Gastmahl sowie den Lehren der Epikuräer und Skeptiker, und der heilige Augustinus wurde ebenso vergewaltigt wie Nietzsche − , beim Übermenschen brach aber der geisteswissenschaftliche Exkurs ab, weil uns das 'Wenn du zum Weibe gehst, nimm die Peitsche mit' oder so ähnlich gar nicht gefiel."

Brechbühl, Beat: Kneuss. Roman. Zwei Wochen aus dem Leben eines Träumers und Querulanten, von ihm selber aufgeschrieben. Zürich: Diogenes 1970, S. 37-38.

 

"Im Gegensatz zum Tier vermag sich der Mensch vom Zwang der Triebe freizumachen. FRIEDRICH NIETZSCHE bezeichnete daher den Menschen als 'das nicht festgestellte Wesen'. Er allein vermag zu dem, was aus der Triebsphäre emporquillt, zu seinen Begierden und Gelüsten Stellung zu nehmen. Aus unmittelbarer Erfahrung wissen wir, daß der Mensch zu seinen Triebwünschen ja oder nein sagen kann. Er kann diese unterdrücken und verdrängen oder ihnen nachgeben und sie fördern."

Spieth, Rudolf: Menschenkenntnis im Alltag. Typenlehre, Ausdruckskunde, Testverfahren. Gütersloh: Bertelsmann 1969, S. 66.

 

"Nach dem Maß an gesellschaftlich zugelassener Wahrheit und an Gesalt gewordenem Glück ist die Kunst innerhalb der affirmativen Kultur das höchste und für die Kultur repräsentativste Gebiet. "Kultur: Herrschaft der Kunst über das Leben", so hat Nietzsche einmal definiert. Was qualifiziert die Kunst zu dieser einzigartigen Rolle?"

Marcuse, Herbert: Kultur und Gesellschaft I. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1968, S. 86.

 

"Ganz so heute: wer nicht von Max Klinger oder von Frenssen gehört hat, wer fragen muß: wer ist denn das, Jörn Uhl? wer nicht Haeckel und die Welträtsel kennt oder Nietzsche und Zarathustra, nun, der gehört ohne Zweifel nicht zu den Gebildeten."

Paulsen, Friedrich: "Die Aufgabe des Unterrichts überhaupt", in: Röhrs, Hermann: Theorie der Schule. Versuch einer Grundlegung. Frankfurt a. M.: Akademische Verlagsgesellschaft 1968, S. 43-59, hier S. 49.

 

"Hélvetius war weder ein großer Denker noch eine große Seele. Er konnte seine Position darlegen und dabei verhältnismäßig unachtsam über ihre Implikationen hinwegsehen. Ein Jahrhundert später kam das katastrophale Ende dieser neuen Existenzhaltung mit Nietzsche."

Voegelin, Eric; Leuschner, Peter: "Helvétius", in: Baruzzi, Arno (Hg.): Aufklärung und Materialismus im Frankreich des 18. Jahrhunderts. München: List 1968, S. 63-[97], hier S. 90.

 

"Die Ideen des Philosophen Friedrich Nietzsche von der Entwicklung des Übermenschen mittels geistiger und körperlicher Disziplin wurden in Deutschland zu einer Verherrlichung brutaler Kraft und nationaler Überlegenheit entstellt. Um 1900 begannen die Deutschen, die über den mächtigsten Militärapparat der Welt verfügten, aggressive Vorbereitungen zu treffen, um sich ihren 'rechtmäßigen Platz an der Sonne' zu sichern."

Burchell, S[amuel] C[lement]: Zeitalter des Fortschritts. [Amsterdam]: Time-Life-International 1967, S. 167.

 

"Dieses Bergerlebnis, diese Teilwerdung der Höhe also ist es, welche die Menschen je und je nach der Schweiz zog, so daß Europas größte Geister das 'Land der Hirten', das lang in der Seele gesuchte, wenigstens einmal in ihrem Leben, manche sogar wiederholt besuchen und daselbst verweilen mußten, um eine 'zeitweilige Verschweizerung' durchzumachen − von Goethe bis Nietzsche."

Englert-Faye, C[urt] [Conrad]: Vom Mythus zur Idee der Schweiz. Lebensfragen eidgenössischer Existenz. Basel: Zbinden 1967, Bd. 2, S. 588.

 

"Wenn 'Jede Lust Ewigkeit will' (Nietzsche), so ist dies das positiv erlebte Glück, das die lastenden Koordinaten des realen Daseins sprengen will. Das ist ein Ausruhen bei dem Erlebnis der augenblicklichen Kongruenz von Phantasie und Realität."

Mitscherlich, Alexander: Krankheit als Konflikt. Studien zur psychosomatischen Medizin I. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1967, S. 165.

 

"Die Griechen, die so gut wußten, was ein Freund ist, haben die Verwandten mit einem Ausdruck bezeichnet, welcher der Superlativ des Wortes 'Freund' ist. Dies bleibt mir unerklärlich."

Nietzsche, Friedrich, zit. in: Tucholsky, Kurt: Zwischen Gestern und Morgen. Eine Auswahl aus seinen Schriften und Gedichten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1967, S. 91.

 

"Friedrich Nietzsche sagt von den Gelehrten, die ihr Selbst, ihre eigene Wirklichkeit von der Bildung ausschließen: 'Gleich solchen, die auf der Straße stehen und die Leute angaffen, welche vorübergehen: also warten sie auch und gaffen Gedanken an, die andere gedacht haben. Ein Geruch ist oft an ihrer Weisheit, als ob sie aus dem Sumpfe stamme.' Ich glaube, daß Vielwisserei und Spezialistentum Selbstherrlichkeit wesensbedingt mit sich führen und daß die Gefährdung der Bildung durch dieses Moment der Verabsolutierung des eigenen Wissens heute sehr groß ist. Der in Wahrheit Gebildete aber bleibt stets ein Fragender."

Kirchhoff, Edeltraud: "Eine Abiturientin äußert sich rückblickend über ihre Schulzeit", in: Bredenbrief 1966, S. 18-22, hier S. 19.

 

"Der Mensch erscheint als etwas, das sich zwischen zwei Polen, dem Materiellen und dem Psychisch-Spirituellen verwirklicht. Zeugnis dafür ist einmal die immer wirksamer werdende Einsicht in den psycho-somatischen Charakter alles Körpergeschehens, besonders der Krankheit bzw. Gesundheit. Nach derselben Richtung weist aber auch ein Begriff, der mit vollem Bewußtsein ausgesprochen und zum Programm entwickelt bei Nietzsche erscheint: der der Züchtung. er besagt, man könne durch entsprechende Maßnahmen die lebendige Substanz des Menschen beeinflussen. Ob und wie weit das möglich ist, muß hier unerhörtert bleiben."

Guardini, Romano: Die Macht. Versuch einer Wegweisung. Würzburg: Werkbund-Verlag 1965, S. 85.

 

"Die Sozialisierung des Einzelnen besteht nicht darin, daß er lediglich zur Exemplifikation von Rollenvorschriften und allgemeinen Normen, zum 'tönenden Passivum' (Nietzsche) wird, sondern in der Auseinandersetzung und im Dialog zwischen Individuum und Sozietät. Erst und nur narin entfaltet sich auch die Individualität."

Lersch, Philipp: Der Mensch als soziales Wesen. Eine Einführung in die Sozialpsychologie. München: Barth 1965, S. 225.

 

"Um über seine Einstellung zur Kunst im allgemeinen ins Klare zu kommen, schrieb er [George Bernard Shaw] Die Gesundheit der Kunst. Diese Schrift war eine Erwiderung auf Max Nordaus Entartung, eine hochtrabend-tiefgründige Abhandlung über die eingeborene Entartung von Kunst und Künstlern mit besonderem Bezug auf Tolstoi, Wagner, Verlaine, die Präraffaeliten und die Dekadenten Nietzsche und Ibsen. Shaws Entgegnung war, wie alle seine 'theoretischen' Schriften, hitzig, einseitig, voreingenommen und absichtlich subjektiv."

Shenfield, Margaret: Shaw. Eine Bildbiographie. München: Kindler 1964, S. 42-43.

 

"Masken: Kunsthüllen bei totemistischen Tänzen und Kulten. Der Träger der Maske erhält den Dämoncharakter, der dem Wesen entspricht, das sie darstellt. Die M. ist daher gefürchtet und wird sorgsam gehütet. − M. ist i. ü. S. angenommener Ausdruck im menschlichen → Rollenverhalten. Zugehörig sind das Überdecken, Verhüllen. Entsprechend haftet dem Begr. Angenommenes, Starres, Unechtes an, und der Zugang zur 'eigentlichen Person' wird als Demaskierung, Entlarvung aufgefaßt (NIETZSCHE, KLAGES).

Dorsch, Friedrich: Psychologisches Wörterbuch. Hamburg, Bern: Meiner, Huber 1963, S. 213.

 

"Ja, ich weiß, woher ich stamme!

Ungesättigt gleich der Flamme

Glühe und verzehr ich mich.

Licht wird alles, was ich fasse,

Kohle alles, was ich lasse:

Flamme bin ich sicherlich!"

Nietzsche, Friedrich: "Ecce homo", zit. in: Echtermeyer, [Theodor] [Begr.]: Deutsche Gedichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Düsseldorf: Babel 1963, S. 544.

 

"Die Eitelkeit in ihrer ausgeprägten Form ist freilich ein schwieriges seelisches Problem. Nietzsche definierte die Eitlen als Wesen, 'die eine gute Meinung über sich zu erwecken suchen, welche sie selbst von sich nicht haben − und also auch nicht >verdienen< −, und die doch hinterdrein an diese gute Meinung selbst g l a u b e n."** Die Entstehungsbedingungen solcher Eitelkeit sind gleichfalls kompliziert."

Heigl-Evers, Annelise; Heigl, Franz: Gelten und Geltenlassen in der Ehe. Eine tiefenpsychologische Studie. Stuttgart: Verlag für Angewandte Psychologie 1963, S. 115. 

 

"Er fand Tipsy im Wintergarten unter einer Palme, hinter die Leo sie sorglich verstaut hatte. Diesmal forschte er nicht mehr nach ihrem Lieblingsdichter, sondern nach ihrer Lieblingsbeschäftigung und erfuhr mit Anteilnahme, daß sie Tanzen noch mehr liebe als Nietzsche und Hölderlin. Ihr Gesicht strahlte dementsprechend auf, als Hagen sich vor ihr verneigte und sie um den Walzer bat."

Hueck-Dehio, Else: Tipsys sonderliche Liebesgeschichte. Eine Idylle aus dem alten Estland. Heilbronn: Salzer-Verlag 1963, S. 64.


"Ertüchtigung des Gefühlslebens, das muß bei den Müttern anfangen. Alles auf wissenschaftlicher Grundlage, verstehn Sie? Biologisch, medizinisch, philosophisch. Der Schmerz bei Nietzsche. Die ethische Bedeutung des Schmerzes, von Geheimrat Sauerbruch. Abbau der Verweichlichung und des falschen Mitleids. Is ja dekadent. Also wenn ich mal ein Kind kriege, da gibt's keine Narkose, da wird hellwach durchgestanden und gebrüllt, daß die Nähte krachen."

Zuckmayer, Carl: Des Teufels General. Drama in drei Akten. Frankfurt a. M.: Fischer 1963, S. 106.

 

"L'Occident est en train de bouleverser ces idées simples, dont nous sommes partis. Il a commencé, timidement, par reléguer Dieu 'entre des guillmets'. Puis, deux siècles après, ayant acquis plus d'assurance, il décréta: 'Dieu est mort'. De ce jour, date l'ère du travail frénétique. Nietzsche est contemporain de la révolution industrielle. Dieu n'était plus là pour mesurer et justifier. N'est-ce pas cela, l'industrie? L'industrie était aveugle, quoique, finalement il fût encore possible de domicilier tout le bien qu'elle produisait... Mais déjà cette phrase est dépassée. Après la mort de Dieu, voici que s'annonce la mort de l'homme."

Kane, Cheikh Hamidou: L'aventure ambiguë. Paris: Juillard 1961, S. 113.

 

"Die meisten Bücher sind zeitgebunden und für die Nachwelt bestenfalls Kuriosa. Nur die ganz Großen sind zeitlos, aber ob sie ganz groß sind, das kann man nie wissen, das sieht man erst, wenn sie zeitlos geworden sind. Nietzsche fand für seinen Zarathustra keinen Verleger. Aber darum ist nicht jeder, der keinen Verleger findet, ein Nietzsche. Und man kann auch mit Verleger was werden."

Spoerl, Heinrich: Man kann ruhig darüber sprechen. Heitere Geschichten und Plaudereien. [Reinbek bei Hamburg]: Rowohlt 1961, S. 84.

 

"Es ist kein Wunder, daß Camus sich von den 'Dämonen', die da aus russischen Sümpfen stiegen, faszinieren ließ. Er hat sich ziemlich exakt an den Roman gehalten und dessen wichtigste Themen theatralisch Revue passieren lassen. [...] Die absolute Gleichschaltung wird gepredigt, aber es wird auch die Nietzsche-Frage 'Frei − wozu?' gestellt, die Beziehung zwischen Intelligenz und Glaubensfähigkeit diskutiert usw."

Kaiser, Joachim: "Vorwort", in: Schondorff, Joachim (Hg.): Französisches Theater des XX. Jahrhunderts. Claudel, Giraudoux, Cocteau, Sartre, Anouilh, Camus. Stuttgart, Zürich, Salzburg: Europäischer Buchclub [1960], S. [7]-21, hier S. 20-21.

 

"Im Sommer des Jahres 1900 war der eine große Frauenhasser dieses Zeitalters, Friedrich Nietzsche, endlich gestorben − doch der andere [August Strindberg] saß im Theater in Stockholm und betete aus der Ferne ein junges Mädchen an, das die 'Dame' in seinem Drama 'Nach Damaskus' spielte."

Dovski, Lee van: Genie und Eros. Frankfurt a. M.: Fischer 1959, S. 140.

 

"Mögen die begeisterten Anmerkungen zu 'Carmen', die Hugo Daffner von Friedrich Nietzsches Hand veröffentlicht hat, zum Teil durch die Absage an Wagner mit diktiert sein, so ist an ihnen doch unanfechtbar richtig, daß in diesem Werk die ganze clarté, sensibilité, exactitude romanischer Kunst lebt."

Moser, Hans Joachim: Musikgeschichte in hundert Lebensbildern. Wiesbaden: Löwit 1958, S. 757.

 

"Unsere technische Macht kennt nur noch einen ebenbürtigen Gegner − den Mitmenschen und seine Technik! Und die blutige Apotheose des Willens zur Macht, die wir Weltgeschichte nennen, bedroht das Leben auf unserer Erde mit einem grausigen Finale von 'erhabener Sinnlosigkeit'. Denn der Wille zur Macht als Selbstzweck führt nicht zur Steigerung des Lebens, sondern zu seiner Zerstörung, und sein leidenschaftlichster Prediger hat es uns verraten, was seine tiefste Inbrunst war: 'So sterben, wie ich ihn einst sterben sah, −... befehlend, indem er starb, und er befahl, daß man vernichte... So sterben, wie ich ihn einst sterben sah; sigend, vernichtend!" (Nietzsche: 'Letzter Wille').

Dennert, Wolfgang (Hg.): Die Natur, das Wunder Gottes, im Lichte der modernen Forschung. Bonn: Athenäum-Verlag 1957, S. 260.

 

"Nicht immer wandelt Achilleus in der Sturmwolke des Pathos dahin [...]; dem Vater des toten Feindes begegnet er huldvoll und teilnehmend. Freilich wird er trotz alledem kein ethisches Wesen, und der Immoralismus der Sophistik, der Nietzsche so fasziniert hat, sollte sich am Vorbild dieses selbstherrlichen Übermenschen gefährlich entzünden."

Friedrich, Wolf Hartmut: "Nachwort", in: Homer: Ilias / Odyssee. In der Übertragung von Johann Heinrich Voß. München: Winkler 1957, S. [777]-826, hier S. 811.

 

"Drei Gestalten stehen am Anfang jener Entwicklung, die zur deutschen Katastrophe führte: Richard Wagner, Nietzsche und Bismarck. Von jedem von ihnen hat der Nazismus einzelne Elemente übernommen und hypertroph entwickelt. Aus der Wagnerei stammte die fanatische Führerverehrung ['Meister'], der Blutmythos, der Antisemitismus; von Nietzsche kam der Herrenmensch, die Verklärung der blonden Bestie, die 'Härte' und der Haß gegen das Christentum. Und von beiden als allgemeine Stimmungslage die Hysterie und die Humorlosigkeit. Was aber kam von Bismarck her? [...] Vielleicht der Militarismus, da doch Blut und Eisen die Einheit erkämpft hatten, und dazu ein falscher Begriff von bismarckischer Realpolitik."

Radecki, Sigismund von: Das Schwarze sind die Buchstaben. Köln: Burges 1957, S. 49.

 

"Das bedeutendeste Werk dieser Epoche der französischen Oper ist unzweifelhaft Carmen von Georges BIZET, 1838-1875. Die Oper befremdete das Publikum der Pariser Opéra comique in höchstem Maße [...]. In Deutschland setzte sich der für Musik so sehr empfängliche Friedrich Nietzsche entscheidend für das Werk ein. Nach seiner Abkehr von Wagner glaubte er in Carmen den gesunden Gegenpol zu allen Übersteigerungen Wagnerscher Musik zu erkennen."

Westerman, Gerhart von: Knaurs Opernführer. Eine Geschichte der Oper. Zürich: Ex Libris 1956, S. 172-173.

 

"Die Anzeichen dafür, daß bei der Menschheit speziell im Verlauf des letzten Jahrhunderts ein Zusammenbruch der Denkfähigkeit infolge zivilisatorischer Unzulänglichkeiten sich zu einer Endkulminante verdichtet und aufgetürmt hat, sind schon im Verlaufe dieses Jahrhunderts immer deutlicher wiedererkannt und festgestellt worden. Schopenhauer, Nietzsche und einige andere Philosophen sind dabei nicht besonders hervorzuheben, denn sie stellen die Fundamente für diese Erkenntnisse dar. Neuerdings sind es besonders Gräff, Fervers und Schweitzer gewesen, die den Mut aufgebracht haben, den Finger an diese katastrophale Wunde zu legen."

Enderlein, Günther (Hg.): Akmon. Bausteine zur Vollgesundheit und Akmosophie. Warnungen an die Menschheit. Aumühle, Bez. Hamburg: Ibica-Verlag 1955/1, S. 11.

 

"Ich würde auf ein Leben mit dir verzichten, wenn es dir wieder so ginge. Das andere nämlich, das meint Nietzsche mit dem gefährlich leben, nichts anderes. Einen Blick wagen in die vulkanischen Abstürze in uns, in den andern und in der Welt. Ja, auch in die Gottes, die dann Teufel heißt."

Meincke, Henning: Den ich küssen werde... Roman. Bad Godesberg: Voggenreiter 1955, S. 310.

 

"'Weißt du noch, Freund Gardar, wie wir Nietzsches Zarathustra gelesen haben?' rief Perigord.

'Ja, wir haben gebrüllt vor Lachen, wie dieser Meister der Dämonie sich vom Teufel in die Wüste leiten ließ!' rief Gardar lachend aus. 'Jeder, der kam, wurde von Herrn Zarathustra abgefertigt, bis er sich schließlich nur noch mit seinem Löwen, seinem Adler und den vielen Vögeln zufrieden gab!"

Mungenast, E[rnst] M.: Christoph Gardar. Roman. [Gütersloh] : Bertelsmann [um 1955], S. 218.

 

"Stendhal, Henri Beyle, gen. Stendhal [...] franz. Dichter [...]. Zu seiner Zeit war sein Werk kaum beachtet. Erst Taine und Nietzsche entdeckten diesen genialen und einsamen Verächter der Masse, Kenner der Psyche, Träumer und Aufklärer in einer doppelgesichtigen Person. Scharfer Analytiker (vor allem Selbstanalyse), Vorläufer des frz. Realismus."

Kindermann, Heinz: Taschenlexikon der Weltliteratur. Frankfurt a. M., Wien: Humboldt-Verlag 1954, S. 173.

 

"Von wem stammt das Werk 'Also sprach Zarathustra'?"

Kranister, Willibald: Weisst du das? Frag mich etwas. 1000 Fragen 1000 Antworten. Wien, München, Zürich: Pechan 1953, S. 47.

 

"Er wies auf ein paar zerlesene Bücher. 'Hölderlin und Nietzsche. Der eine hat die reinsten Hymnen auf das Leben geschrieben... der andere erträumte die göttlichen Tänze dionysischer Heiterkeit − und beide endeten im Wahnsinn... als wenn die Natur irgendwo eine Grenze gesetzt hätte."

Remarque, Erich Maria: Liebe deinen Nächsten. Roman. München: Desch [1953], S. 173.

 

"Es bleibt denkwürdig, daß der junge Nietzsche, dessen überwacher Geist schon frühzeitig tiefster Naturentfremdung verfiel, sich zu der naiven und gesunden Lebensfülle des Quickborn hingezogen fühlte, das wehmutsvolle 'Min Platz vaer Daer' in Musik setzte und das Gedicht 'Dar geit en Bek de Wisch hentlank' musikalisch paraphrasierte."

Groth, Klaus: Quickbornlieder. Flensburg: Wolff [1952], S. 141-142.


"Denn das ist das Geheimnis dieses eigenartigen Fürstenspiegels, dieses Weisheitsbuches, das sich − nicht dem Inhalte, aber der Anlage nach − am ehesten mit Nietzsches 'Also sprach Zarathustra' vergleichen lässt: Wer seine Abschnitte, denen die Kritiker den unfertigen Charakter vorwerfen, sorgfältig gelesen hat, der wird bezeugen können, daß sich alle Meditationen, Gleichnisse, Gespräche und Gebete zu einem einheitlichen Muster zusammenschließen, in dem hymnischer Aufschwung und heilig-nüchterne Gedankenführung, konkrete Bildhaftigkeit und philosophische Kontemplation aufeinander abgestimmt sind und ineinandergreifen, ohne daß die Klarheit der Konturen hierdurch gefährdet wäre."

Nostitz, Oswalt von: "Nachwort", in: Saint-Exupéry, Antoine de: Die Stadt der Wüste (Citadelle). Stuttgart, Zürich, Salzburg: Europäischer Buchklub 1951, S. 547-[558], hier S. 548.

 

 

Bildquelle: Dieckmann, Heinz: Kleines Literatur-Brevier für eine junge Dame. Saarbrücken: Saar-Verlag 1948, S. 71.

 

"Les plus intelligents d'entre les jeunes médecins déclarèrent − au moins pendant quelques années, car les modes changent étant nées elles-mêmes du besoin de changement − que si jamais ils tombaient malades, Cottard était le seul maître auquel ils confieraient leur peau. Sans doute ils préféraient le commerce de certains chefs plus lettrés, plus artistes, avec lesquels ils pouvaient parler de Nietzsche, de Wagner."

Proust, Marcel: A la recherche du temps perdu. [Paris]: Gallimard 1946-1947, Band 3, S. 10.

 

"Alles am Weibe ist ein Rätsel, und alles am Weibe hat eine Lösung: sie heißt Schwangerschaft."

Nietzsche, Friedrich: "Motto", in: Graupner, Heinz: Der Frauenspiegel. Eine Biologie der Mutter. Berlin: Deutscher Verlag 1940, Vorsatzblatt.

 

"Leben − das heißt: fortwährend etwas von sich abstoßen, das sterben will; Leben − das heißt: grausam und unerbittlich gegen alles sein, was schwach und alt an uns, und nicht nur an uns, wird."

Nietzsche, [Friedrich], zit. in: Schrötter, Kurt; Wüst, Walther: Tod und Unsterblichkeit. Aus indogermanischem Weistum. Berlin: Ahnenerbe-Stiftung 1940, S. 62.

 

"Er sitzt mit Valentin beisammen und sie sprechen über Ranke, Bismarck, Lassalle Nietzsche, Schopenhauer, Goethe, Franz von Assisi, welche Männer alle dem alten Kommerzienrat böhmische Dörfer sind."

Tremel-Eggert, Kuni: Barb. Der Roman einer deutschen Frau. München: Eher 1939, S. 210.

 

"In sein Sinnen hinein schrillte der Fernsprecher. Er war noch ganz blaß vor Grimm, als er nach dem Hörer griff, und dieser Grimm zitterte noch durch seine Stimme, so, daß die Schwester von der Frauenstation nur zögernd bat, ob er herunterkommen wolle, um nach dieser Frau Nietzsche zu sehen, im großen Saal, Bett sieben!"

Volger, Margarete: Magda. Ein Frauenschicksal. Magdeburg: Sander 1938, S. 127.

 

"Man ist hinter die christliche Moral gedrungen; und hier gab ja zum Beispiel Nietzsche seinerzeit einen Anstoß, indem er die Moral von einer absoluten Betrachtung auf eine relative, auf sozialen Gegensätzen beruhende zurückführte, zwei Parteien über die Entstehung einer Moral, die Starken und Schwachen, ein Gedanke, der ursprünglich kaum der seine war und den er in eine unmenschhliche Tendenz hinausführte, seine bekannte imperialistische Proklamation von dem Recht des Stärkeren und dem Attentat auf die Barmherzigkeit selbst, ein irrsinniger Gedanke, der sich Aufsehen verschaffte und Schaden tat, aber ohne bleibende Bedeutung."

Jensen, Johannes V.: Die Stadien des Geistes. Zur Bestimmung des Gradus. Berlin: Fischer 1930, S. 287.

 

"Nietzsche hat ein Wort der Empörung gesprochen, als er sagte: 'Aus Betenden sollen wir Segnende werden.' Er wußte, was er damit meinte. Nur Gott kann segnen, denn er ist der Herr des Lebens. Wir aber sind wesenhaft Bittende. Des Segens Widerspruch ist der Fluch. Er bedeutet Urteil des Todes, Siegel des Unheils. Auch er gerichtet auf ein Antlitz, ein Herz. Er ist der Befehl des Herrn, der die Quelle des Lebens schließt."

Guardini, Romano: Von heiligen Zeichen. Mainz: Gründewald [1927], S. 47-48.

 

"Daß die dramatische und die philosophische Begabung nicht selten miteinander vereinbar sind, bezeugen Euripides und Plato, Schiller und Hebbel, der 'Hamlet' und der 'Faust'. Der epische Dichter ist nicht Philosoph, Nietzsches 'Zarathustra' wohl das einzige Beipsiel für eine Synthese von Erzählung und Philosophie, in der freilich jene nur den Rahmen und den Vorwand für diese abgibt. Andererseits ist in der Schritt vor Schritt sich bewegenden Darlegung philosophischer Gedankengänge, im Breiten, Umfassenden, das Vollständige erstrebenden philosophischer Systeme ein episches Wesen merkbar."

Braun, Felix: "Nachwort", in: Lucka, Emil: Thule. Eine Sommerfahrt. Leipzig: Reclam 1925, S. 72-[76], hier S. 72.

 

"Ich dachte an Friedrich Nietzsche, der, vor den Menschen fliehend, so oft die Einsamkeit dieser Höhen suchte, um seine brennende, schmerzende Stirn in der scharfen, aber reinen Luft zu kühlen. Wer weiß, ob nicht die Arve vor mir seinen Blick angezogen und ihn bestärkte im hohen Gedankenflug vom Willen zur Macht, in seinem Glauben an die noch unausgelöste, der Menschheit innewohnende Kraft? Es ist bekannt, vo welch tiefer Wirkung die Natur auf sein Schaffen war."

Raster, U.: "Wanderung über den Julierpaß", in: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens. Stuttgart [u.a.]: Union Deutsche Verlagsgesellschaft 1924, Band 13, S. 92-108, hier S. 100.


"Wo bleibt die verpflichtende Kraft? Und wenn jemand gegen diese Normen handelte, wer hat ihm drein zu reden? Wer will aber dem Eigennutz, der allenthalben gegen solche Rücksichten rebelliert, begreiflich machen, er müsse zurücktreten? Nein, sich ausleben, sich keinen Genuß versagen, die Sittlichkeit des Uebermenschen à la Nietzsche, das ist die wirklich konsequente unabhängige Moral."
Mönnichs, Th[eodor]: Die Weltanschauung des Katholiken. Für weitere Kreise ältern und neuern Irrtümern gegenübergestellt. Köln: Bachem 1911, S. 122-123. 

 

"Eurer Kinder Land sollt ihr lieben: diese Liebe sei euer neuer Adel, − das unentdeckte, im fernsten Meere! Nach ihm heisse ich eure Segel suchen und suchen!

An euren Kindern sollt ihr gut machen, dass ihr eurer Väter Kinder seid: alles Vergangene sollt ihr so erlösen! Diese neue Tafel stelle ich über euch!"

Nietzsche, Friedrich: "Motto" aus "Also sprach Zarathustra", in: Key, Ellen: Das Jahrhundert des Kindes. Studien. Berlin: Fischer 1903, Vorblatt. 

 

 

Bildquelle: Servaes, Franz: Max Klinger. Berlin: Bard 1902, zwischen S. 52 und 53.