Die Sammlung Richard Frank Krummel

Der Sammler

Richard Frank Krummel wurde am 4. August 1925 in Buffalo/New York geboren. Er beschäftigte sich früh mit Nietzsche. Nach dem Krieg lebte er in West-Berlin als Soldat der US-Army, später als Redakteur und Antiquar. Dort lernte er seine Frau Evelyn kennen, die damals im Antiquariat Gerd Rosen arbeitete und ihn später bei seinen Arbeiten unterstützte. Um 1961 kehrte Krummel in die USA zurück und hatte bis zu seiner Emeritierung eine Professur an der Bemidji State Universty.

 

Die Sammlung

Im Jahre 1941 kauft Krummel 16-jährig einen Band der „Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ von Friedrich Nietzsche in der beliebten Ausgabe  der „modern Library“. Er hat zunächst nicht die geringste Vorstellung, worum es Nietzsche geht. Erst als er „Also sprach Zarathustra“ in der Übersetzung von Thomas Common liest, lässt er sich von der sprachlichen Kraft Nietzsches begeistern.


Im Antiquariat des Berliner Versteigerungshauses Gerd Rosen in welchem seine spätere Frau Evelyn arbeitet, findet er zahlreiche Nietzsche-Editionen und umfangreiche Nietzsche-Sekundärliteratur, die zur Nachkriegszeit wenig nachgefragt wird. Im Gegenteil – viele Deutsche scheinen sich ihrer Nietzsche-Bestände entledigen zu wollen. Nachdem er 1958 gemeinsam mit seiner Frau die Leitung des Antiquariats übernimmt, hat er gute Gelegenheiten Nietzscheana  anzukaufen und so seine Sammlung aufzubauen und zu profilieren.

Im Jahre 1971 promoviert er an der Universität von Kentucky, mit der Arbeit „Nietzsche und der deutsche Geist.“ Die Arbeit stellt eine kommentierte Bibliographie eines Großteils seiner Sammlung dar. Diese Arbeit erscheint 1974 im Berliner Verlag Walther de Gruyter unter dem Titel „Nietzsche und der deutsche Geist“. Sie umfasst zunächst das Nietzsche-Schriftum von 1867 bis zu Nietzsches Tod im Jahre 1900.

Seit 1975 ist Krummel Schriftleiter der akademischen Zeitschrift Germanic Notes (seit 1992: Germanic Notes and Reviews). In der Rubrik „Neueres Nietzsche Schriftum“ bespricht Krummel zeitgenössische Nietzsche-Literatur für das Deutsch-Amerikanische Publikum. Diese Arbeit gewährt ihm auch aus dem Blickwinkel der amerikanischen Provinz einen guten Einblick in die Nietzsche-Diskussion im deutschsprachigen Raum.

Ein zweiter Band von „Nietzsche und der deutsche Geist.“ mit den Veröffentlichungen von 1901 bis 1918 folgt im Jahre 1983 im selben Verlag.
Schließlich erscheint im Jahre 1998 im Verlag Walter de Gruyter der dritte Band mit den Schriften von 1919 bis 1945. Die Bände 1 und 2 werden in einer überarbeiteten und wesentlich ergänzten Fassung neu aufgelegt. Ein vierter Band mit weiteren Ergänzungen und einem Gesamtregister erscheint 2006.

Richard F. Krummel ist Mitglied der North American Nietzsche Society, der Förder- und Forschungsgemeinschaft Friedrich Nietzsche e.V. (heute: Nietzsche-Gesellschaft e.V.), der Nietzsche Society und der Nietzsche Society of Great Britain. Er pflegt er gute Kontakte zu Nietzsche-Forschern, Nietzsche-Verehrern und Nietzsche-Sammlern in aller Welt.
Zahlreiche Publikationen über die Nietzsche-Rezeption, wie beispielsweise die Arbeit von William Schaberg: „Nietzsche Werke“ oder die „Weimarer Nietzsche-Bibliographie“ im Metzler-Verlag, wären ohne seine Sammlungstätigkeit und ohne seine Bereitschaft zur Konsultation nicht möglich gewesen.
Die Einzigartigkeit der Sammlung und der Bibliographie gegenüber anderen besteht in ihrer großen Breite und Variabibilität. Erfasst werden nicht nur Nietzsche-Editionen und Sekundärliteratur, sondern auch Zeitungsausschnitte, Privatdrucke, Rundfunkmanuskripte und Kuriositäten der Nietzsche-Rezeption. In seiner Arbeit geht Krummel über den rein bibliographischen Aspekt weit hinaus, in dem er summarische Inhaltsangaben und Kleinstrezensionen beifügt, die oft sehr persönliche Vorlieben erkennen lassen. Zudem versucht er weitestgehend den Lebensdaten der jeweiligen Verfasser nachzugehen und zwischen ihnen Verknüpfungen herzustellen.